Qualifikation spielt beim Stellenabbau kaum eine Rolle

5. Februar 2003, 13:06
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Studie: Schnelle Kostenreduktion steht im Vordergrund

Wer geglaubt hat, hohe fachliche Qualifikation sei ein wirksamer Schutz vor Jobverlust, der irrt. Die meisten Unternehmen achten bei umfangreicheren Stellenstreichungen vor allem auf eine schnell wirksame Kostenreduzierung. Mehr als die Hälfte der Unternehmen nehmen pauschale Stellenstreichungen ohne Betrachtung des Einzelfalls vor. Dies geht aus einer Studie des Hamburger Unternehmensberaters BSU-Unternehmensberatung hervor, der branchenübergreifend über 500 deutsche Personalchefs von Mittelstands- und Großunternehmen befragt hat. Eine Auswahl nach fachlich auch zukünftig notwendigen Mitarbeitern findet nur in jedem fünften Fall statt.

Kurzfristig

Begründet wird diese Vorgehensweise von vor allem damit, dass Stellenstreichungen meist kurzfristig umgesetzt werden müssen. Dies nannten 62 Prozent der Personalchefs als Hauptgrund. Der Kostenrotstift steht dabei meist im Vordergrund. Nach den Kriterien eines umfangreichen Stellenabbaus befragt nannten 53 Prozent eine unpersonifizierte Streichung nach Kostenersparnis-Vorgaben. Nur 22 Prozent würden personifiziert nach Bedarf an fachlichen Kompetenzen Mitarbeiter entlassen. Soziale Maßstäbe stehen nur für 17 Prozent der Unternehmen im Vordergrund.

"Dies ist auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten unsinnig."

Für eine fachliche Auswahl des freizusetzenden Personals stehen in mehr als jedem zweiten Betrieb (58 Prozent) außerdem keine ausreichenden Informationen zu den individuellen Qualifikationen und dem zukünftigen Bedarf des Unternehmens (51 Prozent) zur Verfügung. "Die Unternehmen riskieren mit ihrer Absicht, in erster Linie kurzfristig spürbare Kostenreduzierung zu schaffen, einen Aderlass bei den Mitarbeiterkompetenzen und damit eine Schwächung ihrer Substanz", so BSU-Geschäftsführer Hans Altehülshorst. Wenn Personalleiter kurzfristig Streichlisten erarbeiten sollen und dabei nicht einmal ausreichend auf Informationen zu den fachlichen Qualifikationen und sozialen Verhältnissen der Beschäftigten zugreifen können, komme es zwangsläufig dazu, dass heute Mitarbeiter mit wichtigen Kompetenzen entlassen und morgen wieder benötigt werden. "Dies ist auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten unsinnig." (pte)

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