Strengere Strafen für Kriminelle gefordert

5. Februar 2003, 11:23
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Laut Imas-Umfrage sollen vor allem sexueller Kindesmissbrauch, Handel mit harten Drogen und Gewalt in der Familie stärker bestraft werden

Linz - Die Österreicher rufen nach strengeren Strafen für Kriminelle. Dies geht aus einer kürzlich vom Linzer Meinungsforschungsinstitut Imas bei fast 1.100 Österreichern durchgeführten und am Mittwoch veröffentlichen Umfrage hervor. Sie erfolgte im Auftrag von Universitätsprofessor Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz im Zusammenhang mit dessen Sammlung von Daten zum Thema "Schwarzarbeit". Dabei stellte sich auch heraus, dass Pfusch bei den Österreichern als "Kavaliersdelikt" gilt.

Die Meinungsforscher stellten die Frage, welche Straftaten strenger bestraft werden sollten. An oberster Stelle stand dabei mit 76 Prozent Nennungen ein schärferes Vorgehen gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern. Für 64 Prozent gehörte der Handel mit harten Drogen strenger bestraft, für 57 Prozent die Gewalt in der Familie. Große Anteile der Bevölkerung erwarten auch höhere Strafausmaße für Handel mit illegaler Pornografie, für Schlepper und bei Raubüberfällen.

Zu milde Strafen

Zu milde sind nach Ansicht vieler Befragter auch die Strafbestimmungen bei alkoholisiertem Autofahren, Korruption oder Bestechlichkeit in hohen Stellungen, Körperverletzung, Einbruch in Wohnungen oder Häuser, NS-Wiederbetätigung, Missbrauch sozialer Leistungen, Schnellfahren auf der Autobahn, Ladendiebstahl, Erschleichen von Subventionen, Antisemitismus, Widerstand gegen die Polizei und Bilanzfälschung.

Nur in wenigen Fällen trat die Bevölkerung für ein milderes Vorgehen ein. Zu derartigen "Kavaliersdelikten" zählt auch die Vergabe von Schwarzarbeit. "Demnach hat das Pfuschen für die Bevölkerung eine ähnliche moralische Qualität wie etwa das Schwarzfahren in öffentlichen Verkehrsmitteln, die unbezahlte Entnahme von Zeitungen aus dem Zeitungsständer, das von den Eltern tolerierte Schulschwänzen der Kinder oder die Abgabe einer unvollständigen Steuererklärung", zeigt Imas weitere Umfrageergebnisse auf.

Beim Vergleich mit den Daten aus einer ähnlichen, im Jahr 1998 durchgeführten Umfrage stellten die Meinungsforscher fest, dass sich der damals ohnehin schon recht laute Ruf nach einer strengeren Bestrafung für Delikte eher um eine Spur weiter verstärkt als abgeschwächt habe. Die Erwartung eines härteres Vorgehens hat demnach bei der Bevölkerung besonders deutlich im Zusammenhang mit Drogenhandel, Schlepperdiensten, Ladendiebstahl, Widerstand gegen die Polizei und Raubüberfall zugenommen. (APA)

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    Sexueller Missbrauch von Kindern und Gewalt in der Familie soll nach Meinung vieler Österreicher stärker bestraft werden

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