Colin Powell in den Fußstapfen von Adlai Stevenson

5. Februar 2003, 10:44
1 Posting

Auftritt vor UN-Sicherheitsrat weckt Erinnerungen an Kuba-Krise

New York - Der bevorstehende Auftritt von US-Außenminister Colin Powell im UN-Sicherheitsrat erinnert außenpolitische Experten an einen historischen Präzedenzfall. Powell trete damit in die Fußstapfen des früheren amerikanischen UN-Botschafters Adlai Stevenson, heißt es teils scherzhaft, teils bewundernd in den USA. Stevenson hatte dem höchsten UN-Gremium am 25. Oktober 1962 Aufnahmen von U2-Aufklärungsflügen präsentiert, auf denen die geheime Stationierung von sowjetischen Raketen auf Kuba zu sehen war.

Powell soll am Mittwoch vor dem Sicherheitsrat belegen, dass sich der irakische Machthaber Saddam Hussein den UN-Waffeninspektionen entzieht.

Während der Kuba-Krise hatte die Sowjetunion die Stationierung von Raketen auf der Insel hartnäckig geleugnet. US-Präsident John F. Kennedy wies daraufhin seinen UN-Botschafter an, die Fotos der sowjetischen Waffensysteme und Raketensilos im Sicherheitsrat zu zeigen. Im höchsten UN-Gremium kam es seinerzeit zu einem historischen Schlagabtausch mit dem offensichtlich völlig überraschten sowjetischen Botschafter Valerian Sorin.

"Leugnen Sie, Botschafter Sorin, dass die UdSSR Mittelstreckenraketen und Rampen auf Kuba stationiert hat und stationiert?", fragte Stevenson. "Ja oder Nein? Warten Sie nicht auf die Übersetzung." Der US-Diplomat zeigte dann die Fotos, während Sorin protestierte: "Ich bin nicht in einem amerikanischen Gerichtssaal, Sir, und deshalb will ich nicht auf eine Frage antworten, die mir in einer Weise gestellt wird, in der es ein Ankläger tut."(APA)

Share if you care.