BBC: Geheimdienst sieht keine Verbindung zwischen Bagdad und Al Kaida

5. Februar 2003, 14:32
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Anfängliche Kontakte seien an gegenseitigem Misstrauen gescheitert - Bericht über Geheimdienstpapier erregt Unmut von Außenminister Straw

London - Wenige Stunden vor einer Rede des US-Außenministers Colin Powell im UNO-Sicherheitsrat in New York ist in Großbritannien ein Streit über angebliche Verbindungen zwischen dem Irak und dem Terrornetzwerk Al Kaida ausgebrochen. Der britische Außenminister Jack Straw wiederholte am Mittwoch im BBC-Rundfunk den Standpunkt der Regierung, dass es Verbindungen zwischen dem Regime in Bagdad und Al Kaida gibt. Dagegen hatte die BBC zuvor berichtet, in einem Premierminister Tony Blair vorgelegten Geheimdienstpapier würden derartige Verbindungen ausgeschlossen.

"Es gibt mit Sicherheit Verbindungen zwischen Al Kaida und verschiedenen Leuten im Irak. Was wir nicht wissen ist - und Blair und ich haben das ganz deutlich gemacht - wie groß das Ausmaß dieser Verbindungen ist", sagte Außenminister Straw. Bekannt sei aber, dass im Irak eine "freizügige Umgebung" herrsche, in der Mitglieder von Al Kaida arbeiten könnten. Außerdem sei ausreichend bekannt, dass Staatspräsident Saddam Hussein in der Vergangenheit "allgemein" den Terrorismus unterstützt habe, fügte Straw hinzu.

Über das neue dreißigseitige Geheimdienstpapier berichtete in der BBC der Verteidigungsexperte des Senders, Andrew Gilligan. Dieser berief sich auf ein vor drei Wochen von einem Stab des militärischen Nachrichtendienstes verfasstes Papier, das als "streng geheim" eingestuft und Blair vorgelegt worden sei. Daraus gehe hervor, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden sehe die im Irak regierende säkulare Baath-Partei im Gegensatz zu seinen religiösen Ansichten. Für den Terroristenführer sei der Irak ein "abtrünniges Regime". Bin Ladens Ziele stünden in einem "ideologischen Widerspruch" zum heutigen Irak. Anfängliche Kontakte seien an "Misstrauen und unvereinbaren Ideologien" gescheitert.

Laut Gilligan herrscht in Kreisen der britischen Geheimdienste "wachsende Unruhe" darüber, dass ihre Arbeit "politisiert" werde, um so eine Rechtfertigung für einen Krieg gegen den Irak zu schaffen. Saddam Hussein hatte in einem am Dienstagabend im britischen Fernsehsender "Channel 4" ausgestrahlten Interview mit dem langjährigen Labour-Abgeordneten Tony Benn jegliche Beziehungen zu Al Kaida bestritten. "Wenn wir Beziehungen zu Al Kaida hätten, und würden wir an diese Beziehungen glauben, dann hätten wir keinen Grund, uns deswegen zu schämen und das nicht zuzugeben", sagte Saddam Hussein. Das Gespräch war am vergangenen Wochenende bei einem Besuch Benns in Bagdad aufgezeichnet worden.

Der 74-jährige ehemalige Handels-und Industrieminister Benn ist erklärter Kriegsgegner. 1992 hatte das "Enfant terrible" der britischen Innenpolitik einen parlamentarischen Vorstoß zur Abschaffung der Monarchie eingeleitet. Sein Antrag sah die Beseitigung der Krone und des Oberhauses sowie die Trennung von Kirche und Staat vor. Benn hatte 1960 seinen erblichen Adelstitel als Viscount Stansgate abgelegt, um in das Unterhaus gewählt werden zu können.(APA/dpa)

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