Prozess um Tod von Rallye-Co-Pilotin: Freispruch für Beppo Harrach

5. Februar 2003, 15:56
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Sport sei kein Grund für zu schnelles Fahren, meint der Staatsanwalt und legt Berufung ein

Graz - Im Grazer Straflandesgericht wurde der Rallye-Fahrer Ernst "Beppo" Harrach am Mittwoch vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Ihm war angelastet worden, beim Rennen in Sparberegg im Mai 2002 in der Oststeiermark den Tod seiner Beifahrerin Jutta Gebert (34) mitverschuldet zu haben. Der Staatsanwalt warf ihm vor, zu schnell für sein Können und die Straßenverhältnisse gefahren zu sein. Doch Richter Gernot Patzak entschied, es sei kein "objektiv sorgfaltswidriges Verhalten" festzustellen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Franz Wittmann als Zeuge

Die erste Verhandlung fand bereits im November vorigen Jahres statt. Damals prangerte Staatsanwalt Johannes Winklhofer an, der 24-jährige Harrach sei weit über seine Verhältnisse gefahren. Dieses Verhalten sei durch die Tatsache, dass es im Rahmen einer Sportveranstaltung war, nicht gerechtfertigt. Mehrere Fahrer-Kollegen des Angeklagten, darunter Franz Wittmann, erklärten dagegen am zweiten Prozesstag, dass ihr Kollege korrekt gefahren sei. Auch ein Sachverständiger für Motorsport wurde gehört. Seine Meinung: "Der Beschuldigte hat sich regelkonform verhalten".

Harrach spricht von Sportunfall

"Ich habe einen sehr wertvollen Menschen verloren, aber es war ein Sportunfall", betonte Harrach auch am zweiten Verhandlungstag. Das Argument, dass Jutta Gebert um die Gefahren gewusst und eine Verzichtserklärung für etwaige Unfälle unterschrieben hatte, ließ der Ankläger als Argument nicht gelten. "Das Leben ist nicht disponabel", so Winklhofer. "Er hat die Frau getötet und er ist dafür haftbar", erklärte er dezidiert. "Und weil hier das Ende des Rallyesports in den Raum gestellt wird: Das ist mir so was von wurscht", gab der Staatsanwalt noch seiner innersten Überzeugung Ausdruck.

Harrach-Anwalt: "Vorhaltungen absurd"

"Hier ist die Grundvoraussetzung für Fahrlässigkeit nicht gegeben", meinte hingegen Verteidiger Gerald Ruhri. "Die Vorhaltungen sind absurd", so der Anwalt weiter. Im Übrigen sei Harrach bereits "von den Angehörigen der Getöteten freigesprochen worden, und das wiegt mindestens so viel wie ein gerichtlicher Freispruch".

Freispruch

Das Gericht sprach Ernst Harrach schließlich frei. Der Staatsanwalt kündigte Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde an. Nun liegt es beim Oberlandesgericht, das Urteil zu bestätigen oder den Fall nochmals aufzurollen.

Unfall bei Bosch-Rallye

Harrach war am 25. Mai bei der Bosch-Rallye, einem Lauf zur österreichischen Meisterschaft, in einem schnellen Waldstück mit seinem Mitsubishi von der Strecke abgekommen, das Auto prallte auf der Beifahrerseite gegen einen Baum. Während Harrach mit leichten Verletzungen davon bekommen war, erlag die Wienerin Gebert ihren Verletzungen.(APA)

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