Militäroperationen in besetzten Gebieten

5. Februar 2003, 15:13
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Zwei Tote - Frau unter den Trümmern ihres gesprengten Hauses begraben

Gaza/Jerusalem - Bei Militäroperationen der israelischen Armee im besetzten Westjordanland und Gaza-Streifen sind am Mittwoch mindestens zwei Palästinenser getötet worden. Im Maghasi-Flüchtlingslager im Mittelabschnitt des Gaza-Streifens starb nach palästinensischen Angaben eine 65 Jahre alte Frau unter den Trümmern ihres Hauses, nachdem Besatzungssoldaten das Gebäude in die Luft gesprengt hatten. Nach Angaben von Einwohnern hatte die Frau das Haus trotz einer Aufforderung durch israelische Soldaten nicht verlassen, sondern sich versteckt. Der Sohn der Frau war vor mehreren Monaten bei einem Anschlag auf jüdische Siedler, der vier Todesopfer gefordert hatte, ums Leben gekommen.

Bei einem israelischen Militäreinsatz in Kalkilia im Westjordanland starb nach palästinensischen Angaben ein 20-jähriger Polizist. Der Mann sei getötet worden, nachdem er aus dem Hauptquartier der Sicherheitskräfte geflüchtet sei. Ein zweiter Palästinenser sei verletzt worden. Das israelische Militärradio berichtete dagegen, die Soldaten hätten das Feuer auf zwei Palästinenser eröffnet, die sie hätten festnehmen wollen.

Panzer und Kampfhubschrauber

Israelische Militäreinheiten waren in der Nacht mit rund einem Dutzend Panzer und gepanzerten Fahrzeugen in das Maghasi-Lager vorgestoßen. Die Armee eröffnete von Kampfhubschraubern aus das Feuer. Insgesamt zerstörte die israelische Armee in den letzten sechs Monaten mehr als 130 palästinensische Häuser im Westjordanland. Das Vorgehen verstößt massiv gegen die Vierte Genfer Konvention über die Behandlung der Zivilbevölkerung in besetzten Gebieten.

Unter dem Auto des örtlichen Büroleiters des arabischen Fernseh-Nachrichtensender "Al Jazeera" in Ramallah ist am Mittwoch eine Bombe explodiert. Nach palästinensischen Angaben blieb Büroleiter Wael Abu Dakka unverletzt. Später wurde ein zweiter Sprengkörper unter dem Fahrzeug gefunden, der jedoch nicht explodiert war. Die palästinensische Polizei vermutete kriminelle Motive hinter dem Anschlag. In den palästinensischen Autonomiegebieten gebe es große Rivalitäten zwischen einzelnen Fernsehsendern, hieß es in Ramallah. "Al Jazeera" ist im Golf-Emirat Katar beheimatet und gilt als "CNN des arabischen Raums".

Palästinensische Sicherheitskräfte sollen nach offiziellen Angaben im Gaza-Streifen militante Palästinenser daran hindern, Raketen und Granaten auf Israel und israelische Siedlungen in den Palästinenser-Gebieten abzufeuern. "Wir versuchen, jeden Vorwand auszuschalten, den Israel nutzen könnte, um seine Aggression gegen den Gaza-Streifen eskalieren zu lassen", sagte ein Sprecher der Sicherheitskräfte am Dienstag in Gaza-Stadt. Die Patrouillien seien in dieser Woche eingesetzt worden, sagte der Sprecher. Nach Angaben eines anderen hochrangigen palästinensischen Sicherheitsbeamten wurden auf diese Weise bereits mehrere Raketenangriffe verhindert. Ein Sprecher von Israels Premier Ariel Sharon sagte, die Friedensbemühungen der Palästinenser würden daran gemessen, ob es gelänge, alle Raketenangriffe zu stoppen. Er bezweifelte jedoch die Ernsthaftigkeit der palästinensischen Initiative. (APA/dpa)

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