Ritter rechnet mit Kriegsbeginn Ende Februar

5. Februar 2003, 18:01
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Ex-Waffeninspektor: "Bodentruppen folgen Anfang März" - Ex-Inspektor Ekeus : "Saddam hat Massenvernichtungswaffen"

Tokio/Hamburg/Wien - Der frühere UNO-Waffeninspektor und heutige Kritiker der amerikanischen Irak-Politik, Scott Ritter, hat einen Kriegsbeginn für Ende Februar vorausgesagt. "Ich sehe den Beginn eines massiven Bombardements Ende Februar", sagte Ritter am Mittwoch in Tokio. Bodentruppen würden dann Anfang März in großer Zahl in den Irak einmarschieren, sagte Ritter, der kein schnelles Kriegsende erwartet. Er rechne sogar damit, dass "Nordkorea, wenn es sieht, wie die Vereinigten Staaten den Irak völkerrechtswidrig vernichten, sich nicht zurücklehnt und abwartet, dass die Amerikaner kommen".

Nordkorea werde einen Präventivschlag gegen US-Truppen und deren Verbündete in Asien führen, prophezeite er: "Sie werden nicht eher zufrieden sein, bevor Tokio auf ein Stück radioaktiven Abfalls reduziert ist." Nordkorea hat nach US-Angaben eingestanden, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Es hat den Atomwaffensperrvertrag gekündigt und Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde aus den Land verwiesen.

Ritter: "Irak kann chemische und biologische Waffen nicht herstellen"

Ritter hat öffentlich bezweifelt, dass der Irak nach der Vernichtung seiner chemischen und biologischen Waffen und der Produktionsstätten durch die UNO-Inspektoren Ende der 90er Jahre jetzt wieder in der Lage sein soll, solche Waffen herzustellen. Da die Haltbarkeit solcher Stoffe begrenzt sei, wären eventuell damals noch nicht entdeckte B- und C-Waffen heute unbrauchbar.

Ekeus: "Ich bin überzeugt, dass es Produktionsanlagen gibt"

Der schwedische Diplomat Rolf Ekeus, bis 1997 Leiter der UNO-Abrüstungskommission UNSCOM im Irak, ist "ganz sicher", dass der irakische Präsident Saddam Hussein noch Massenvernichtungswaffen besitzt. "Ich bin überzeugt, dass es Produktionsanlagen gibt. Sie sind nur extrem gut versteckt", sagte der Vorgänger von Hans Blix laut Vorausmeldung in einem Interview mit der am Donnerstag erscheinenden deutschen Illustrierten "stern". Der Irak könne jederzeit die Produktion aufnehmen. "Saddam ist ein hochgefährlicher Akteur. Seine Strategie ist darauf ausgelegt, die Kontrolle über den Golf zu erlangen", sagte Ekeus. "Er will die Übermacht - und dazu braucht er Massenvernichtungswaffen. Dieser Mann will keinen Frieden."

Krieg sei allerdings kein Mittel, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern. "Es braucht Zeit und unnachgiebige Inspektionen. Ein bis zwei Jahre mit den besten Experten - das knackt Saddams Programme", sagte der frühere UNSCOM-Chef. Fachleute für die Technologie der Scud-Raketen z.B. gäbe es in Deutschland. "Einer der deutschen Experten für Scud-Technologie war maßgeblich daran beteiligt, Saddams geheime Programme zu entschlüsseln."

Von den früheren UNO-Inspektoren aus der Zeit von 1991 bis 1997 seien aber heute so gut wie keine im Irak eingesetzt: "Sie galten als zu aggressiv, als Spione, als zu US-freundlich. Man wollte den Irak bisher nicht provozieren." Auch wenn der Irak gezwungen würde, seine Waffenarsenale abzugeben, würde Saddam Hussein wieder versuchen, Massenvernichtungswaffen zu produzieren. "Doch dieses Risiko ist kalkulierbarer als die Folgen eines Kriegs. Inspektoren müssen im Land bleiben", sagte Ekeus im "stern"-Gespräch.

Japanische Firma wird illegaler Exporte an Nordkorea verdächtigt

Eine japanische Maschinenbaufirma hat Medienberichten zufolge möglicherweise illegal Raketentechnologie nach Nordkorea exportiert. Das Unternehmen Seishin Enterprise habe 1994 Material an eine vom nordkoreanischen Verteidigungsministerium kontrollierte Firma geliefert, das sich zur Herstellung von Raketentreibstoff eignet, berichteten die Nachrichtenagentur Kyodo und die Tageszeitung "Yomiuri Shimbun" am Mittwoch. Bei dem Material habe es sich um eine Mühle zur Zerkleinerung von Feststoffen mit Hilfe von Pressluft gehandelt. Das Gerät könne sowohl zivil etwa zur Herstellung von Druckertoner als auch militärisch für die Verbesserung von Raketen-Treibstoff genutzt werden.(APA/Reuters)

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    Der ehemalige UN-Waffeninspektor Scott Ritter warnt vor einem Präventivschlag Nordkoreas im Fall eines Kriegs im Irak.

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