Commerzbank erstmals mit Jahresverlust

5. Februar 2003, 09:46
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Eine traurige Premiere für Deutschlands viertgrößte Bank - 2002 wurde Vorsteuerverlust von 372 Millionen Euro eingefahren

Frankfurt - Die Commerzbank ist wegen hoher Verluste im vierten Quartal im Gesamtjahr 2002 erstmals in ihrer Firmengeschichte in die roten Zahlen gerutscht, will den Aktionären aber dennoch eine Dividende von 0,10 (Vorjahr: 0,40) Euro pro Aktie zahlen. Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand auch bei widrigen Umständen eine Rückkehr in die Gewinnzone.

Der Vorsteuerverlust für 2002 betrage 372 Mio. Euro nach einem Gewinn von 43 Mio. Euro im Vorjahr, teilte die Commerzbank am Mittwoch in einer Pflichtveröffentlichung mit und bestätigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters von Montag. Nach Steuern lag der Verlust bei 298 Mio. Euro.

Analysten enttäuscht

Mit ihren Zahlen lag die Commerzbank noch unter den Erwartungen von Experten, die im Schnitt einen Verlust von 312 Mio. Euro vor Steuern und unter dem Strich ein Minus von 282 Mio. Euro prognostiziert hatten. Die Analysten zeigten sich von den operativen Zahlen enttäuscht, sahen aber vor allem bei den Kosten Lichtblicke.

Allein im vierten Quartal verzeichnete Deutschlands drittgrößte börsennotierte Bank nach Reuters-Berechnungen einen Vorsteuerverlust von 417 Mio. Euro. Die Bank hat hohe Restrukturierungsaufwendungen im Schlussquartal gebucht, was sich entlastend auf die Ergebnisse im laufenden Jahr auswirken wird.

Verwaltungsaufwand gesunken

Die Risikovorsorge gab die Bank für das Gesamtjahr mit 1,32 Mrd. Euro an, nach einem Wert von 927 Mio. Euro im Vorjahr. Damit liege die Bank im Plan. Der Verwaltungsaufwand sank um zwölf Prozent auf 5,15 Mrd. Euro und sei damit auch unter der selbstgesteckten Marke von 5,5 Mrd. Euro geblieben. 2003 wolle die Commerzbank die Kosten unter die Marke von fünf Mrd. Euro drücken.

Bei weiter verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien Zins- und Provisionsüberschuss sowie der Eigenhandel hinter den Vorjahreswerten zurückgeblieben, teilte die Commerzbank weiter mit. Die für die Refinanzierung der Bank wichtige Kernkapitalquote sei auf 7,3 Prozent von 6,0 Prozent im Vorjahr angestiegen.

"Kosten scheinen im Griff zu sein"

"Die Kosten scheinen wirklich im Griff zu sein und auch der Anstieg der Kernkapitalquote ist positiv. Die Ertragsseite war aber sehr schwach, dabei fällt insbesondere der Provisions- und Zinsüberschuss ins Auge", sagte Georg Kanders von WestLB Panmure. Außerdem gehe er davon aus, dass die Bank ihr Ziel erreicht und im Jahresverlauf wieder schwarze Zahlen schreibt. Sein Rating lässt Kanders angesichts des niedrigen Aktienkurses bei "outperform".

Vorstandschef Klaus-Peter Müller will Details zu den Zahlen ab 10.30 Uhr in einer Pressekonferenz bekannt geben.(APA/Reuters)

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