Ein Popgenie steht unter Mordverdacht

5. Februar 2003, 13:39
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Phil Spector die US-Pop-Produzenten-Legende soll eine Frau erschossen haben

Zumindest bezüglich der Durchsetzung seiner künstlerischen Vorstellungen war Phil Spector, geboren 1940 als Sohn russisch-jüdischer Emigranten in der New Yorker Bronx, im Laufe seiner Karriere als einstiges Wunderkind des Pop schon mehrmals dazu bereit, mit Gewalt vorzugehen. Nicht nur, dass er 1970 rettend den Beatles und deren Fanal "Let It Be" beistehen sollte - worauf sich eine wilde Zusammenarbeit anbahnen sollte. Immerhin flogen spätestens mit John Lennon wegen dessen Rock 'n' Roll aus 1974 die whiskeygetränkten Fetzen.

Bevor sich der psychisch seit jeher labile Spector Anfang der 80er-Jahre zurückzog, um fürderhin den genialisch-wahnsinnigen Schweiger zu geben, war unter anderem auch schon bei den New Yorker Punks Ramones (End Of The Century, 1980) oder dem kanadischen Poeten Leonard Cohen (Death Of A Ladies' Man, 1977) Feuer am Dach. Die Ramones machten mit Spectors Revolver Bekanntschaft, als es darum ging, ein ihrer Ansicht nach fertiges Studioband frühzeitig abzugeben. Und der sensible Cohen, dessen musikalische Vorstellungen (Gitarre, Gesang) entschieden mit denen Spectors divergierten ("Wall of Sound": Tonnen von Orchesterspuren, verdutzendfachte Perkussions- und Halleffekte), wurde wegen Aufmüpfigkeit gar mit vorgehaltener Schusswaffe aus dem Studio gejagt.

Tycoon of teen

Seine große Zeit hatte Spector als Schöpfer von "dreiminütigen Teenager-Symphonien" und als einer der einflussreichsten Produzenten der Popgeschichte allerdings ohnehin nur zwischen 1963 und 1966. Damals erfand Spector neben seinem "Wall of Sound" das "Girl Group"-Genre mit den Crystals oder den Ronettes und Klassikern wie Da Doo Ron Ron, Be My Baby oder Baby I Love You - himmelhoch jauchzende und zu Tode betrübte Sternstunden des Pop.

Der Stern des "Tycoon of teen" begann jedoch ab 1966 zu sinken. Damals, am Schnittpunkt zur Stereotechnik, begann der strikt in Mono aufnehmende Spector sich mit Ike & Tina Turners barocker Rock-'n'-Roll-Hymne River Deep, Mountain High oder der schwermütigen Eloge You've Lost That Lovin' Feeling der Righteous Brothers kommerziell zu verzetteln. Eine Tatsache, von der er sich nie mehr erholen sollte.

Phil Spector, der mit Ronnie Bennett, der ehemaligen Sängerin der Ronettes, von der er 1974 geschieden wurde, fünf gemeinsame Kinder hat, wurde am Montag wegen Mordverdachts verhaftet. In seinem Haus war die Leiche der 40-jährigen Lana Clarkson gefunden worden. Bis auf weiteres ist der Mann, der schon im Alter von 21 Jahren mit seinem ersten Hit To Know Him Is To Love Him als Sänger der Teddy Bears zum Millionär wurde, gegen eine Kaution von einer Million Dollar auf freiem Fuß. (Christian Schachinger/DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2003)

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    Das Opfer die Schauspielerin Lana Clarkson

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