Architektur im "Dampfer"

5. Februar 2003, 11:19
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MAK-"Kapitän" Peter Noever bestimmt den Kurs für 2003

Wien - Der "Dampfer" MAK, der mit einem Ausstellungsbudget von 1,69 Millionen Euro (2002, davon 190.000 Euro Fremdmittel) weit unter seiner Manövrierfähigkeit auf Fahrt gehalten wird, hat zunächst eines erreicht: Der Urheberrechtsstreit mit dem Frankfurter Museum für angewandte Kunst um die Kurzform "MAK" ist gewonnen.

Und damit, argumentiert Peter Noever, sei klargestellt, dass "MAK" eine Trademark sei, ein international bekanntes Symbol für sein Haus, das Ausstellungen produziert, sich einmischt, und zudem, so Noever, einen "Fluchtpunkt" darstelle, "dem Lärm der Welt zu entkommen".

Und der Kapitän belegte seine Selbsteinschätzung mit den Manövern "Acconci", das vor gut zehn Jahren das MAK verdoppelte, und damit womöglich eine Murinsel als Folge zeitigte, "Gironcoli", dessen Werk Jahre nach der MAK-Doppelpersonale zur Biennale nach Venedig verfrachtet wird, und "Judd", der für seine MAK-Personale '91 ein Manifest gegen den Golfkrieg verfasste, das jetzt ob der neuerlichen Kriegsgefahr eine Neuauflage (Hatje Cantz) erfährt.

Der Kurs 2003 sieht vor, bei den Architekten Zaha Hadid (ab 14. 5.), Greg Lynn (ab 10. 9.) und Farshid Moussavi (ab 21. 5.) zu halten, und das Lebenswerk der Maler Kurt Kocherscheidt (ab 25. 6.) und Otto Mühl (ab 3. 12.) zu kreuzen. Ein weiterer Halt gilt dem Preis der Schönheit, einer Aufarbeitung der 100-jährigen Geschichte der Wiener Werkstätten mit Heimo Zobernig am Ruder (vom 26. 11. 2003 bis 29. 2. 2004 ). Der Aktivitäten des Stammschiffs nicht genug, plant die Tochterfregatte Schindler-Haus, die Nachbarschaft in L.A. zu besetzen. Unmittelbar neben dem Architekturjuwel soll ein Wohnkomplex entstehen, "der die Aura zerstört und das Haus wesentlich beschädigt".

Peter Noever konnte 50 Architekten motivieren, Alternativpläne für das Grundstück zu entwerfen, um derart Druck auszuüben, auf dass sich doch noch Geld findet, eine Schändung zu verhindern, wie sie vergleichsweise in Wien das Wittgenstein-Haus irreparabel erfahren musste. Und: Der SOS-Ruf, trotz Finanzkrise die Sammlung erweitern zu können, blieb nicht ungehört, einige der Objekte des "Wunschzettels" fanden bereits private Sponsoren. (Markus Mittringer/DER STANDARD; Printausgabe, 5.02.2003)

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    Direktor Peter Noever während der Pressekonferenz am Dienstag Vormittag im Wiener MAK

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