Null Toleranz für Genitalverstümmelung

6. Februar 2003, 18:14
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Konferenz in Äthiopien fordert Ende der unmenschlichen Praktiken an Mädchen und Frauen bis 2010

Addis Abeba - In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba hat eine dreitägige Konferenz gegen Genitalverstümmelung bei Frauen begonnen. Es gebe eine "nicht tolerierbare Zahl von Frauen", die im Namen der Tradition verstümmelt, entführt, misshandelt oder als Kinder in Ehen gezwungen würden, sagte die Vorsitzende des Interafrikanischen Komitees gegen die Beschneidung von Frauen und Mädchen (IAC), Berhane Ras-Work, am Dienstag zur Eröffnung des dreitägigen Treffens.

Unakzeptabel

Solche "entwürdigenden und unmenschlichen" Praktiken seien in heutiger Zeit, die die Bedeutung von Frauen für Entwicklung und Frieden generell anerkenne, nicht mehr zu akzeptieren. Zur Konferenz unter dem Motto "Null Toleranz für Genitalverstümmelung" reisten ranghohe RegierungsvertreterInnen aus ganz Afrika an sowie Gesandte der UNO und Delegierte von Jugend- und Frauengruppen.

Verstümmelungen bis zum Tod

Nach Angaben des IAC werden in Afrika jedes Jahr schätzungsweise rund zwei Millionen Mädchen an ihren Geschlechtsorgannen beschnitten, nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF müssen 130 Millionen Frauen weltweit mit der Verstümmelung leben. Exekutivdirektorin von UNICEF, das sich für ein sofortiges Ende der genitalen Beschneidung einsetzt, Carol Bellamy, erklärte auf der Konferenz, die Existenz bis zu 130 Millionen beschnittenen Frauen weltweit zeige, dass die Regierungen der Welt es versäumt hätten, ihnen den versprochenen Schutz zu gewähren. Die Weltgemeinschaft müsse ihre Verpflichtung einlösen, die Beschneidung von Frauen und Mädchen bis 2010 zu beenden, sagte sie. Zusammen mit diesem Aufruf proklamierte die Konferenz in der äthiopischen Hauptstadt einen "Internationalen Tag gegen weibliche Beschneidung".

"Jedes Jahr sind etwa zwei Millionen Mädchen der Gefahr der Beschneidung ausgesetzt. Diese Praxis ist nicht nur eine Verletzung ihrer Rechte, sondern hat auch ernste Konsequenzen für ihre Gesundheit", sagte Bellamy. UNICEF fordere daher einen Wandel in den Traditionen und Verhaltensweisen, eine konsequente Aufklärung über die Risiken sowie ein gesetzlich verankertes Verbot der Beschneidung.

Die Konferenz des "Inter-afrikanischen Komitees für traditionelle Praktiken" in Addis Abeba geht am Freitag zu Ende.(APA/AFP)

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    Weltweit müssen rund 130 Millionen Mädchen und Frauen mit der Genitalverstümmelung leben.
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