Bank Austria in Serbien ausgetrickst

4. Februar 2003, 19:39
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Forderungen an insolventes staatliches Stahlwerk Sartid von Gericht nicht anerkannt

Wien - Teures Lehrgeld scheint die Bank Austria beziehungsweise ein von ihr geführtes Bankenkonsortium, dem zehn namhafte Geldinstitute aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Großbritannien angehören, in Serbien zahlen zu müssen. Ein von diesem Konsortium an die Schweizer Vertriebstochter des staatlichen Stahlwerks Sartid 1997 vergebener Kredit von 80 Mio. Dollar (74 Mio. Euro), der einschließlich Zinsen und Nebengebühren inzwischen auf 100 Mio. Dollar angewachsen ist, wird von einem Belgrader Gericht nicht anerkannt, da er "in den Büchern der Sartid nicht aufscheint".

Gegen diesen Bescheid hat das Konsortium Rechtsmittel eingebracht. Entscheidung ist noch keine gefallen. Der Kredit an die Tochter wurde von Sartid garantiert. Außerdem gab es für ihn Patronatserklärungen der serbischen Regierung und einen von Premierminister Zoran Djindjic am 15. Mai 2001 unterzeichneten "Letter of Support".

Schwierigkeiten

Bereits Ende der 90er-Jahre zeichneten sich für Sartid ernste Schwierigkeiten ab. Angebote des Konsortiums, gemeinsam mit der Belgrader Regierung eine Lösung zu finden - Umstrukturierung mit anschließender Privatisierung -, brachten kein Ergebnis. Auch ein Kaufoffert des britischen Stahlkonzerns LNM wurde abgelehnt. Schließlich wurde im Juli 2002 der Konkurs über Sartid eröffnet.

Noch vor Abschluss der Forderungsprüfungsverhandlung (25. Dezember 2002) kam es zu einem Knalleffekt: Der Masseverwalter schloss mit der slowakischen Tochter von US-Steel im November einen Vertrag ab, der dem größten US-Stahlkonzern erlaubt, das Stahlwerk bis sieben Jahre nach dessen Verkauf zu betreiben. Damit ist dessen Verwertung im Konkurs erheblich eingeschränkt. Als strategischer Käufer kommt damit praktisch nur noch US-Steel infrage.

Intervention

Da die Außenstände von Sartid mit rund 1,7 Mrd. Dollar beziffert werden und neben dem Konsortium deutsche Firmen dabei mit 300 Mio. Dollar betroffen sind, hat der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement bei Djindjic interveniert. Er wies darauf hin, dass die deutschen Firmen und das Bankenkonsortium Gefahr liefen, allenfalls mit der Konkursquote abgespeist zu werden, während dem künftigen Erwerber ein formal schuldenfreies Unternehmen übergeben werde.

Clement gab auch seiner Befürchtung Ausdruck, dass damit das Vertrauen internationaler Geschäftspartner und Investoren in die Berechenbarkeit und Kontinuität der serbischen Wirtschaftspolitik Schaden nehmen könnte. Die Reaktion darauf fiel kühl aus: Die serbische Regierung verwies auf die Zuständigkeit des Belgrader Gerichts. (Günter Baburek, DER STANDARD, Printausgabe 5.2.2003)

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BA-CA

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    Bank Austria-Chef Gerhard Randa hat die Forderungen an Sartid bereits abgeschrieben.

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