Saddam: Keine Beziehungen zu El Kaida

5. Februar 2003, 07:51
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Interview mit britischem Sender: USA und Großbritannien wollen das irakische Erdöl

London/Washington - Der Irak hat nach den Worten von Staatschef Saddam Hussein keine Beziehungen zu dem Terrornetzwerk El Kaida des islamistischen Extremisten Osama bin Laden. "Wenn wir eine Beziehung zu El Kaida hätten und wir an sie glauben würden, dann würden wir uns nicht schämen, dies zuzugeben", sagte Saddam Hussein in einem Interview mit dem früheren britischen Labour-Minister Tony Benn. Er bekräftigte, sein Land besitze keine Massenvernichtungswaffen.

Die USA, die unter dem Einfluss Israels handelten, suchten nur nach einem Vorwand, um die irakischen Ölfelder zu kontrollieren, sagte der irakische Präsident in dem am Sonntag aufgezeichneten Interview des britischen Fernsehsender "Channel Four" weiter. Den selben Vorwurf machte Saddam dem mit den USA verbündeten Großbritannien.

BBC: "Misstrauen und unvereinbare Ideologien"

Laut britischen Geheimdienstangaben gibt keine Verbindung zwischen der irakischen Regierung und dem Terrornetzwerk El Kaida. Dies berichte der britische Sender BBC am frühen Mittwochmorgen. Anfängliche Kontakte zwischen El Kaida und dem Regime in Bagdad seien an Misstrauen und unvereinbaren Ideologien gescheitert. Die BBC habe das Papier einsehen können.

Den USA liegen indes nach Angaben aus Regierungskreisen nur bruchstückhafte Hinweise vor, dass die irakische Führung Verbindungen zur Extremisten-Organisation El Kaida unterhalten könnte. Die Informationen seien fragmentarisch und könnten unterschiedlich ausgelegt werden, verlautete am Dienstag aus US-Regierungskreisen. Aus diesem Grund würden die Hinweise auch nur einen geringen Teil der Rede von US-Außenminister Colin Powell vor dem UNO-Sicherheitsrat ausmachen. Powell will dem Sicherheitsrat am Mittwoch Beweise vorlegen, dass der Irak gegen die Abrüstungsauflagen der Vereinten Nationen (UNO) verstößt.

Löchrige Hinweise, aber keine Beweise

Die USA beziehen sich in ihrer Argumentation einerseits auf das mutmaßliche El-Kaida-Mitglied Abu Musab Sarkawi. Er gilt als enger Vertrauter des El-Kaida-Anführers Osama bin Laden und soll sich im vergangenen Sommer in der irakischen Hauptstadt Bagdad einer medizinischen Untersuchung unterzogen haben. Beweise, dass Sarkawi auch mit Mitgliedern der irakischen Regierung in Kontakt stehe, gebe es jedoch nicht, verlautete aus US-Regierungskreisen. Powell werde deshalb in seiner Rede auf die Verbindungen Sarkawis zu terroristischen Gruppen unter anderem in Europa Stellung nehmen.

Auch die Islamisten-Gruppe Ansar El Islam, die vom nordirakischen Kurdengebiet aus operiert, steht im Verdacht, Beziehungen zu El Kaida zu unterhalten. Unklar ist jedoch, ob der irakische Präsident Saddam Hussein die Gruppe kontrolliert. Abgesehen von Ansar El Islam und Sarkawi "gibt es nur hier und da Informationsschnipsel" über Verbindungen von El Kaida und der irakischen Regierung, hieß es in US-Regierungskreisen. Der US-Geheimdienst hat bisher auch noch keine Beweise für Gerüchte vorgelegt, wonach sich einer der Attentäter vom 11. September, Mohamed Atta, vor den Anschlägen mit einem irakischen Geheimdienstvertreter in Prag getroffen haben soll.

Powell hatte angekündigt, dem UNO-Sicherheitsrat Geheimdienstinformationen vorzulegen, die Täuschungen der UNO-Inspektoren durch den Irak beweisen würden. Powell wird nach Informationen aus US-Regierungskreisen vermutlich unter anderem Aufnahmen vorlegen, auf denen mobile Labors für biologische Waffen zu sehen sind. Die USA haben den Irak mit einem Militärschlag gedroht, sollte das Land gegen die Abrüstungsauflagen der UNO verstoßen. Die Sondersitzung des Sicherheitsrates in New York wird erstmals von Bundesaußenminister Joschka Fischer geleitet. Deutschland hat derzeit den Vorsitz im UNO-Sicherheitsrat. (APA/AP/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der irakische Staatschef im britischen TV-Sender Channel Four

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