Überraschungen im ersten Training

5. Februar 2003, 20:08
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Bestzeit für den Kanadier Erik Guay - Eberharter als bester ÖSV-Läufer Fünfter - Hermann Maier weit zurück

St. Moritz - Anhaltender Schneefall, starker Wind und miserable Sicht haben am Mittwoch das erste WM-Abfahrts-Training der Männer zu einer beinahe irregulären Angelegenheit gemacht. Schnellster auf der "Corviglia"-Piste von St. Moritz war der Kanadier Erik Guay in 1:50,33 Minuten. Bester Österreicher wurde Super-G-Weltmeister Stephan Eberharter auf Platz fünf, Siebenter war Olympiasieger Fritz Strobl.

ÖSV-Team steht

Wie am Abend bekannt wurde, komplettieren Hermann Maier und Fritz Strobl das Herren-Abfahrtsteam für die Abfahrt am Samstag. Damit kommen Andreas Schifferer und Klaus Kröll nicht zum Zug. Neben Maier und Strobl waren schon bisher Stephan Eberharter, Michael Walchhofer und Hannes Trinkl fix qualifziert.

Blindflug

Für Hermann Maier, am Mittwoch 25., stand das Training bereits vor dem Start unter keinem guten Stern. Dem Salzburger brach der Skischuh, der notdürftig mit zwei Schrauben wieder zusammengeflickt wurde. "Wenn dann noch dazu die Sicht schlecht ist, zieht man automatisch die Handbremse an. Ich hab mich aber zumindest einmal mit Wind und Wetter angefreundet", meinte Maier, der von einem "Blindflug" und "eigentlich irregulären Bedingungen" sprach.

Schifferer ohne Orientierung

Ein wenig geknickt wirkte nach seinem 21. Trainingsplatz hingegen Schifferer, der sich damit auf die Heimreise einstellen darf. Nach Saisonende schließt der Salzburger sogar einen Wechsel in die norwegische Heimat seiner Freundin nicht aus. "Warten wir einmal ab", meinte Schifferer, der auch die schlechte Sicht kritisierte: "Ich hab' so schlecht gesehen, dass ich nicht einmal mehr wusste, ob ich in St. Moritz bin."

Schönfelder sprachlos

Beinahe aus dem Starthaus geflüchtet ist Rainer Schönfelder, dem es beim Anblick des Starthangs "Freier Fall" die Sprache verschlug. "Heute hatte ich die Hose gestrichen voll - dazu stehe ich. Ich war weiß im Gesicht und mit den lockeren Sprüchen war's auch vorbei", berichtete der Kärntner, der überglücklich war, gesund und mit 6,50 Sekunden Rückstand im Ziel zu sein. "Aber jetzt seh' ich Licht am Ende des Tunnels", meinte Schönfelder hinsichtlich der Kombination am Donnerstag. Bereits bessere Abfahrtsfigur machte Benjamin Raich, der "nur" 4,82 auf den Kanadier Guay verlor und 40. war.

Klirrende Kälte

Als "Sonntagsfahrer" präsentierte sich Super-G-Silbermedaillen-Gewinner Bode Miller, der im Stile eines Touristen und nur selten in der Hocke eine Besichtigungsfahrt absolvierte und im Ziel 8,30 Sekunden Rückstand hatte. Ihm machte jedoch genauso wie den meisten anderen Fahrern die klirrende Kälte von minus 25 Grad im Startbereich zu schaffen - im Ziel (minus zwölf Grad) hielten sich die meisten Athleten die Nase, wenn sie nicht ohnehin wie der Rest des Gesichtes völlig mit Tape geschützt war.

Schweizer fahren Quali

Trotz dieser Bedingungen benützten die Schweizer Hausherren das Training als erste Qualifikation. Cheftrainer Karl Frehsner versprach den beiden besten dieses Trainings (Ambrosi Hoffmann als Zweiter und Franco Cavegn als Sechster) die Fixplätze zwei und drei nach dem gesetzten Bruno Kernen. Um den vierten Platz soll es am Freitag zwischen Didier Cuche und Didier Defago gehen. (APA)

Wichtigere Ergebnisse vom ersten Abfahrtstraining der Herren am Mittwoch bei den 37. alpinen Ski-Weltmeisterschaften in St. Moritz:

  1. Erik Guay (CAN)            1:50,33 
  2. Ambrosi Hoffmann (SUI)       +0,46 
  3. Aksel Lund Svindal (NOR)     +1,07
   . Jeff Hume (CAN)              +1,07
  5. Stephan Eberharter (AUT)     +1,40
  6. Franco Cavegn (SUI)          +1,41
  7. Fritz Strobl (AUT)           +1,45
  8. Jakub Fiala (USA)            +1,49
  9. Silvan Zurbriggen (SUI)      +1,55
 10. Primoz Skerbinek (SLO)       +1,91
 11. Pierre-Emmanuel Dalcin (FRA) +2,11
 12. Klaus Kröll (AUT)            +2,21
     weiter:
 14. Bruno Kernen (SUI)           +2,57
 21. Andreas Schifferer (AUT)     +3,40
 25. Hermann Maier (AUT)          +3,65
 29. Daron Rahlves (USA)          +3,94
 30. Michael Walchhofer (AUT)     +4,07
 40. Benjamin Raich (AUT)         +4,82
 49. Hannes Trinkl (AUT)          +6,06
 51. Mario Matt (AUT)             +6,25
 52. Rainer Schönfelder (AUT)     +6,50
 60. Bode Miller (USA)            +8,30

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    Hermann Maier und Klaus Kroell wärmen nach dem Training ihre Gesichter.

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    Effektiver Kälteschutz bei Andrej Jerman

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    (Zum Vergrößern)

    "Brezn" von Erik Seletto.

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