Zum Fasching: Konfetti!

18. Februar 2003, 15:36
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Er schmeckt nach nichts, er ist nicht frisch, er kommt aus dem Sackerl ­ aber dafür ist der Konfetti-Salat schön bunt.

Ab einem gewissen Alter hat man, finde ich, das Recht auf ein paar Rituale und Angewohnheiten. Vor allem dann, wenn sie so harmloser Natur sind wie zum Beispiel des Sonntags einen ordentlichen Pott Salat zu verzehren. Schon klar, Salat ist ein Gemüse, das vom Saft der Erde und der Kraft der Sonne gespeist wird, und mich jetzt, wo die Erde gefroren und die Sonne eingeschlafen sind, über die mangelnde Köstlichkeit des dargebotenen Salates zu beschweren, wäre einigermaßen frivol. Dennoch: Es gibt Wintersalate wie zum Beispiel den Chicoree, den Chinakohl, Rucola, Vogerlsalat, Endivien, Frisee und noch ein paar mehr, es gibt den so genannten Eisbergsalat, der ohnehin das ganze Jahr lang nach nichts schmeckt, in seiner Eigenschaft als Vertreter der puren Zellulose aber zumindest ein lustiges Geräusch im Mund macht. Insgesamt also reichlich Stoff, um gemeinsam mit einem schönen-scharfen, jungen Olivenöl, das es nun mal nur jetzt in seiner Bestform gibt, und einem erfreulichen Essig ordentlich einen Salat zuzubereiten.

Die Wiener Szene-Gastronomie sieht das ein bisschen anders, nämlich weitaus rationeller: Da für einen Salat trotz verhältnismäßig großen Handling-Aufwandes nun mal nicht weiß Gott was verlangt werden kann (weshalb dann Backhendl-Teile, Zuchtbranzino-Filets oder sonst was drauf gelegt werden, da sieht die potenzielle Kalkulation gleich ganz anders aus ...), versucht man die Verarbeitungsschritte zu reduzieren, die Salat-Zubereitung effizienter zu gestalten. Sprich: Fertiger Salat, vorgewaschen, vorgeschnitten, vorgemischt, als bunte, pflanzliche Konfetti zur weiteren Verarbeitung in den großen Plastiksack abgefüllt ­immer die selbe Mischung: viel Eisberg und wenig Radicchio, der Farbe wegen, vielleicht auch noch eine Prise gelber (und daher geschmackloser) Innenblätter vom Häuptelsalat. Beim in Pappendeckel gepackten Chefsalat vom McDonalds oder in der Kantine ist es mir wurscht, da erwartet man nichts anderes, nur wenn ich im neuen Überdrüber-Super-Designerbierlokal so was kriege, noch dazu mit deprimierendem Fertig-Dressing, wird mir der Hals dick.

Ich glaube, dass die Sache mit dem Salat hierzulande etwas unterschätzt wird. Schließlich gibt es noch kein einziges Lokal, das sich auf dieses Thema spezialisiert hätte (außer vielleicht das St. Josef in der Mondscheingasse), das marinierte Blattwerk wird nach wie vor eher als Dekoration oder legitime Ernährung für Magersüchtige gesehen. Und das, obwohl dem Salat zweifellos eine glorreiche Zukunft gehört, frisch, gesund, ballaststoffreich, in unendlicher Bandbreite vorstellbar. In Kalifornien bekam ich mal den besten Salat meines Lebens, mindestens achtzehn verschiedene Blatt-Sorten waren da drin, achtzehn verschiedene Grüns erfreuten das Auge, alles bissfest, knackig und mit reichlich Geschmack ausgestattet. Hier gibt's Konfetti, die nach Konfetti schmecken.

Von Florian Holzer
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