Kopf des Tages: Sean O'Keefe

4. Februar 2003, 11:47
2 Postings

Der Controller Sean O'Keefe war angetreten, die Nasa zu reformieren - "Houston, Sie haben ein Problem"

Als Sean O'Keefe, der Chef der Nasa, am Samstag bei einer Pressekonferenz im Hauptquartier in Houston, Texas, bestätigen musste, dass die Raumfähre Columbia explodiert und alle sieben Insassen tot seien, konnte er die Tränen kaum zurückhalten. Sicherlich sterben täglich auf Amerikas Straßen viel mehr Menschen, doch trifft die Katastrophe die Weltraumbehörde ins Mark. Schon seit fast zehn Jahren wird der Nasa vorgeworfen, ein Durcheinander zu haben und unfähig zu sein, einen vernünftigen Finanzplan zu erstellen.

Aufgabe O'Keefes, der die Organisation seit Dezember 2001 leitet, ist es, die Riesenbürokratie mit einem jährlichen Etat von 15 Milliarden Dollar zu reformieren. Erstmals seit Bestehen der Nasa steht mit dem Wirtschaftswissenschafter ein Nichtweltraumspezialist an der Spitze, ein deklarierter Gefolgsmann des US-Präsidenten George W. Bush, der schon für dessen Vater als Berater tätig war.

"Erbsenzähler"

Prompt haben ihm Nasa-Wissenschafter nach der Bestellung vorgeworfen, ein Erbsenzähler zu sein, der fragt, ob es notwendig sei, mehrere Zentren übers Land verstreut zu halten. Oder wie Kostenrahmen für die über Jahre konzipierten Projekte eingehalten werden können - allein die Internationale Raumstation ISS hat seit 1995 um 13 Milliarden Dollar mehr verschlungen als veranschlagt.

Er wolle, sagte er bei Antritt, das wissenschaftliche Programm der Nasa nach Prioritäten ordnen. Für große Utopien habe er nicht viel übrig - und er drückte der Erforschung der "outer planets" gleich den Stempel "nicht machbar" auf. Die für 2006 geplante Pluto-Kuiper-Mission und eine Umrundung des Jupiter-Mondes Europa wurden gestrichen.

Wenige Freunde

Mit solch bodenständigem Management hat er sich innerhalb der Nasa und bei der mächtigen Lobby der Weltraumindustrie dahinter naturgemäß nicht viele Freunde gemacht. Er sei ein Mann mit wenig Visionen, meint man bei der Nasa. Eine Rücknahme der Mittel für das - zugegebenermaßen veraltete - Raumfährenprogramm wurde ihm während des letzten Halbjahres bereits vorgeworfen: Ein Aushungern des Shuttleprogramms erhöhe die Chancen für eine Katastrophe, meinten die Gegner fast hellseherisch.

Aus seiner Zeit als Mitarbeiter im Verteidigungsministerium, wo er Controller gewesen ist, besteht jedoch eine Affinität zu militärischer Forschung. Inmitten der vielen Kürzungen konnte O'Keefe erreichen, dass die Nasa-Wissenschafter im kommenden Jahr 125,5 Millionen Dollar mehr für die Entwicklung nuklearer Technologien zur Verfügung haben werden.

Vielleicht kostet ihm nun nach der Katastrophe das Sparprogramm den Job. Seine drei Kinder sollen schon bisher nie so recht begeistert von dem Job ihres Vaters als Nasa-Chef gewesen sein. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.