Verletzter Bub schleppte sich zwei Stunden durch den Wald

4. Februar 2003, 20:29
posten

Mit einem gebrochenen Oberschenkel kroch ein Neunjähriger in Salzburg nach einem Skiunfall in Sicherheit

Salzburg/Wien - "Er hat sich Zentimeter um Zentimeter vorwärts geschleppt, ehe er dann nach zwei Stunden die Jausenstation erreicht hat." So schildert Johann Berger von der Gendarmerie Maria Alm (Bez. Zell am See) die schmerzvollen Folgen eines Skiunfalles für einen Buben aus der Gemeinde. Der Neunjährige war in der Dunkelheit abseits der Piste gestürzt und hatte einen Oberschenkelbruch erlitten. Trotz dieser Verletzung konnte er sich selbst in Sicherheit bringen.

Das Unglück hatte sich Montagnachmittag im Skigebiet Natrun ereignet. Das Kind war mit einem Freund auf der Piste gewesen, nach Schließung der Lifte wollte er durch den Wald alleine nach Hause fahren. Er kam nicht an, gegen 18 Uhr schlug sein Vater bei der Gendarmerie Alarm.

Suchtrupp

Ein Suchtrupp wurde losgeschickt, der seine Tätigkeit aber bald einstellen konnte. Der Neunjährige meldete sich kurz vor 19 Uhr via Telefon von einer Almhütte, zu der er sich durchgekämpft hatte. Sein gebrochener linker Oberschenkel wurde versorgt, anschließend wurde der unterkühlte Bub in das Krankenhaus Zell am See gebracht.

Der Neunjährige ist einer von jährlich durchschnittlich 90.000 Menschen, die in Österreich Skiunfälle erleiden. 67.000 Freizeitsportler müssen laut einer Statistik des Institutes "Sicher Leben" nach einem Unglück sogar im Spital behandelt werden. Nach den Zahlen des Staatssekretariats für Tourismus, das von acht bis neun Millionen Skifahrern pro Saison ausgeht, liegt das Risiko zu verunglücken zwischen einem und 1,25 Prozent.

Die Gründe für die Crashs im Schnee und anschließende Verletzungen sind vielfältig. Unkenntnis der Pistenregeln, schlecht eingestellte Bindungen, Konditionsmängel und Alkoholisierung zählen unter anderem dazu.

Gefährdete Kinder

Gerade in den Semesterferien tummeln sich auch vermehrt Kinder auf der Piste. Einige einfache Ratschläge helfen Eltern, das Verletzungsrisiko ihrer Sprösslinge zu senken. Beispielsweise nach langen Lift- oder Gondelfahrten: Dann sollten spielerische Aufwärmübungen gemacht werden. Gefährlich ist auch eine Überforderung: Nach zwei bis drei Stunden lässt die Kondition der Kleinen nach, Pausen erhöhen daher die Sicherheit. (moe/DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2003)

Share if you care.