Millionen Babys durch Quecksilber geschädigt

4. Februar 2003, 19:53
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Studie: In Österreich vergleichsweise geringes Risiko

Nairobi/Wien - Quecksilber habe sich laut Vereinten Nationen weltweit zu einer ernsten Bedrohung entwickelt. Nach den jüngsten, am Dienstag bekannt gewordenen Daten werden weltweit Millionen Babys mit Gesundheitsschäden geboren, die durch Quecksilber verursacht werden. Demgegenüber zeigen ebenfalls Dienstag vorgestellte Studienergebnisse, dass in Österreich die Belastung der Muttermilch und dadurch der Babys mit Blei und Quecksilber im internationalen Vergleich extrem niedrig ist.

"Die Quecksilber-Verseuchung ist nach neuesten Kenntnissen weit höher, als bisher angenommen", sagte der stellvertretende Direktor des UN-Umweltprogramms Unep, Shafqat Kakakhel, bei der Konferenz des Unep-Verwaltungsrats in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. "Nach jüngsten Schätzungen liegt der Quecksilberwert im Blut jeder zwölften in den USA lebenden Frau über dem Limit, 300.000 Babys werden dadurch jährlich mit Gesundheitsschäden geboren. Weltweit sind es Millionen." 70 Prozent des für Organismen giftigen Quecksilbers (siehe unten) würden von Kohlekraftwerken ausgestoßen.

Da sich Quecksilber gern in Fischen sammelt, haben US-Gesundheitsbehörden inzwischen Kinder und Frauen während der Schwangerschaft vor fischreicher Nahrung gewarnt. Im fischreichen Grönland wurden bei 16 Prozent der Gesamtbevölkerung gesundheitsbedrohende Quecksilberwerte im Blut gemessen. Besonders belastet gelten Hai, Schwertfisch, Makrele, Marlin und auch Thunfisch.

Beruhigende Studie

In Österreich hingegen, beruhigen Wiener ForscherInnen, sei die Belastung mit Quecksilber und Blei vergleichsweise gering. Untersucht wurde die Konzentration der beiden Schwermetalle in Muttermilchproben von Frauen aus Wien, Linz und Tulln.

Das von der Weltgesundheitsorganisation WHO für den Bleigehalt in der Kindernahrung festgesetzte Sicherheitslimit liegt bei fünf Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht und Tag. Damit liegen die in Österreich gemessenen Werte in der Muttermilch (etwa 0,2 Mikrogramm) weltweit im niedrigsten Bereich, beschrieben Wissenschafter von Universität und Kinderklinik Glanzing in der Fachzeitschrift Pediatrics. Grund: das seit 1993 geltende Verbot bleihaltiger Kraftstoffe.

Erstmals wurde auch der Quecksilbergehalt in der Muttermilch österreichischer Frauen gemessen. Für dieses Schwermetall gilt ein Sicherheitsgrenzwert von zwei Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht und Tag. In Österreich beträgt die durchschnittliche Belastung des Säuglings mit der Muttermilch derzeit etwa 0,3 Mikrogramm. Im weltweiten Vergleich liegt der österreichische Durchschnittswert damit ebenfalls sehr niedrig.

Dennoch zeigen sich regionale Unterschiede bei der Schwermetallbelastung in der Muttermilch. So hatten Mütter aus Linz wesentlich höhere Bleiwerte als jene in Tulln. Die ForscherInnen nennen die in Linz ansässige Metall verarbeitende Industrie als Ursache. Die höchsten Quecksilberwerte wurden bei in Wien lebenden Müttern festgestellt - verursacht durch Industrie und Müllverbrennung. (fei/DER STANDARD, Printausgabe 05.02.2003)

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