Serbien und Montenegro - Eine komplizierte Schöpfung

4. Februar 2003, 19:56
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Weder Föderation noch Konföderation - "Serbomontenegriner" oder "Montenegroserben"

Belgrad - Jugoslawien gehört seit Dienstag Abend der Geschichte an. Die vom früheren Präsidenten Slobodan Milosevic und seinen damaligen montenegrinischen Bündnispartnern, Ex-Präsident Momir Bulatovic und Ministerpräsident Milo Djukanovic, im April 1992 gegründete Bundesrepublik Jugoslawien funktionierte nie richtig. Die ungleiche Föderation stand in den letzten Jahren der Milosevic-Ära kurz vor dem Zerfall. Auf den Ruinen der Bundesrepublik Jugoslawien entsteht nun ein neuer Staat, der weder eine Föderation noch eine Konföderation ist.

Unter der Bezeichnung Staatenbund Serbiens und Montenegros verbirgt sich eine komplizierte Schöpfung, die sogar in den beiden Teilrepubliken nicht wirklich Anhänger hat. Der neue Staatenbund wird zuerst keine Flagge, keine Wappen und auch keine Hymne haben. Die Staatssymbole solle erst in den kommenden Monaten gesetzlich geregelt werden. Wie sich die Staatsbürger nennen werden, weiß niemand so richtig - "Serbomontenegriner" oder "Montenegroserben"? Jugoslawen wird es jedenfalls keine mehr geben.

In den vergangenen Jahren waren Serbien und Montenegro in jeder Hinsicht ganz verschiedene Wege gegangen. An der administrativen Grenze waren nicht nur die in Ex-Jugoslawien völlig unüblichen Polizeikontrollen der Reisenden, sondern auch genaue Zollkontrollen vorgenommen worden. Das kleine Montenegro, das sich in der zweiten Hälfte der neunziger Jahren und vor allem ab 1997 vom Milosevic-Regime stark bedroht fühlte, hatte im Herbst 1999 zuerst die Deutsche Mark als Parallelwährung eingeführt, um ein Jahr später auf den jugoslawischen Dinar völlig zu verzichten.

Mit der Umwandlung soll vor allem ein weitere Schritt Richtung Europa getan werden. Um mit der EU aber überhaupt das angestrebte Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen abschließen zu können, muss der Staatenbund zuerst einen einheitlichen Binnenmarkt schaffen. Führende Wirtschaftsvertreter Belgrads und Podgoricas hatten im vergangenen Juni die Ausarbeitung eines Aktionsplanes zur Errichtung eines einheitlichen Binnenmarktes vereinbart. Bis heute ist nichts geschehen.(APA)

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