Belohnung für den besten Fang

4. Februar 2003, 00:00
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Saftige Zitrone für die Werbelinie der Restaurantkette "Hooters"

Junge Kellnerinnen in hautengen Tops und Hotpants, die Burger und Curled Fries servieren – das ist "Hooters". Schlüpfriges Outfit, unzumutbare Arbeitskleidung ist eine Sache – über die Philosophie dahinter lässt sich streiten. Viel zweifelhafter ist die Linie, mit der die Kette um neue Mitarbeiterinnen wirbt. Die ist nämlich nicht nur schlüpfrig, sondern diskriminierend. Auf Seite eins der Homepage des Hooters-Restaurant in der Wiener Wiedner Hauptstraße steht da zum Beispiel zu lesen:

"Become a well known Hooters Girl-Scout:
Hol´ Dir 250 Euro als Prämie!

Teilnahmebedingungen:
Du musst über 18 Jahre alt, in bester körperlicher und geistiger Verfassung, charmant und höflich sein!
Die Prämie erhältst Du, wenn:
1. Du ein Mädchen triffst, dass wie ein HOOTERS Girl aussieht. 2. Du das Mädchen ansprichst. 3. Das Mädchen sich bei uns daraufhin als HOOTERS Girl vorstellt. 4. Das Mädchen als HOOTERS Girl zu arbeiten beginnt. 5. Das neue HOOTERS Girl vier Wochen bei uns gearbeitet hat. Sind alle 5 Punkte erfüllt, kannst Du Deine Prämie abholen!"

Ganz nach dem Motto: "Bring mir das beste und schönste Stück und ich zahl´ Dir einen guten Preis dafür?" Denn Schönheit, Liebreiz und Freundlichkeit werden für ein echtes "Hooters-Girl" natürlich vorausgesetzt, anders kriegt man den Job sowieso nicht. Klar, die Frauen kommen freiwillig und niemand zwingt sie, dort zu arbeiten. Und auch gut auszusehen ist ja kein Verbrechen. Aber warum kriegt der oder diejenige, der/die sie "bringt" auch noch Geld dafür? 250 Euro sind ja schließlich kein Pappenstiel! Dankbarkeit kann man auch weit dezenter ausdrücken.

Hooters-Girl-Regeln

Aber wer ein wirklich gutes Hooters-Girl sein will, hat ja auch ein paar wenig dezente Regeln zu beachten, die zum Beispiel so formuliert werden: "Unser Ziel ist es, eine lockere, gemütliche und heimelige Atmosphäre zu schaffen, wo der Gast einer von uns ist und gleich zur Crew gehört, deswegen sind wir auch mit allen Gästen 'per Du'. Und wenn das ein Mädchen vergessen sollte, so muss sie dem Gast, den sie mit 'Sie' anredet gleich einen Drink spendieren!"

Mag "the american way of life" sein und als Spaß gemeint – kommt für uns aber ziemlich schlecht rüber, auch wenn es laut einer Kellnerin hier nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. Wäre interessant, ob die Lokaleigentümer mit all ihren Geschäftskunden per Du sein wollten...

Hot Pants-Streik

In der Wiedner Hauptstraße haben sich die Kellnerinnen übrigens geweigert, weiterhin Hot Pants zu tragen – sie bestellten sich stattdessen dezentere Röcke und fühlen sich darin weit wohler und müssen nicht mehr als wandelnde Sexobjekte servieren. Und auch die Gästin fühlt sich dadurch wohler – soll sie ja auch, denn Hooters definiert sich als Lokal für "jederfrau und jedemann", nicht als reiner Männerschuppen. Das Ambiente des Lokals im 5. Bezirk ist – im Gegensatz zum gleichnamigen Szene-Lokal in der City, anderer Eigentümer – getesteterweise wirklich okay, das männliche Publikum überwiegt zwar weit, aber die Atmosphäre ist auch für Frauen angenehm.

Durch die Homepage entsteht aber ein ganz falscher Eindruck - wozu soll die frauenfeindliche Werbung gut sein? Und die Hooters Girl-Fotogallerie? Und dass "Hooters" angeblich unter anderem "ein Spitzname für einen Teil der weiblichen Anatomie der die Männer zum Grinsen bringt" sein soll? Auch "Familienlokal", wie die Homepage des City-Restaurants auf ihrer Homepage meinen, ist es garantiert nicht – auch wenn die US-Amerikaner angeblich Kind und Kegel mit Begeisterung dorthin karren. Und wohl auch nicht der richtige Platz, Lehrlinge auszubilden, wie das Restaurant das derzeit anstrebt.
Wie gesagt: Über die Philosophie der in den USA tradierten Kette lässt sich streiten – über die Umsetzung nicht. Und dafür gibt´s von uns Saures. (isa)

04.02.2003

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Hooters

Hooters II

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