USA vor Truppenverlegung an die koreanische Halbinsel

4. Februar 2003, 12:51
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US-Militärkreise: Flugzeuge und Kriegsschiffe in Alarmbereitschaft versetzt - Annan ruft zu Hilfe für Nordkorea auf

Washington/Seoul - Die USA bereiten nach Angaben aus US-Militärkreisen wegen des Atomstreits mit Nordkorea eine Verlegung von Truppenverbänden in der Pazifik-Region vor. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus den Kreisen erfuhr, könnten Bomber, Kampfflugzeuge oder Kriegsschiffe näher an die koreanische Halbinsel verlegt werden. Dies solle Nordkorea vor aggressiven Handlungen während eines Irak-Kriegs abhalten. Nordkorea warf den USA vor, das kommunistische Land "militärisch ersticken" zu wollen. Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) wird den Fall Nordkorea nach eigenen Angaben vermutlich an den UNO-Sicherheitsrat verweisen.

Der Befehlshaber der US-Truppen im Pazifik-Raum, Admiral Thomas Fargo, hatte eine Verstärkung der Truppen gefordert. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe die Verlegung von B-52-Bombern, F-16-Kampfflugzeugen oder Kriegsschiffen jedoch noch nicht abschließend genehmigt, verlautete aus den Kreisen. Eine Aufstockung der 37.000 in Südkorea stationierten US-Soldaten sei ausdrücklich nicht vorgesehen. Weder das US-Verteidigungsministerium noch Südkorea nahmen zu den Angaben Stellung.

Militärisch ersticken

Der staatliche nordkoreanische Hörfunk warf den USA vor, "als Teil ihres Planes, unser Land militärisch zu ersticken", die US-Streitkräfte in Südkorea und Japan verstärken zu wollen. Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il besuchte der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA zufolge am Montag eine Einheit der Marine und lobt die Seeleute für ihre "Bereitschaft, zu menschlichen Bomben zu werden und die Bereitschaft, sich für seinen Glauben in die Luft zu sprengen." Diese unbesiegbaren Seeleute machten Nordkorea unbesiegbar.

Die IAEO hat für den 12. Februar eine Dringlichkeitssitzung zum Irak angesetzt. IAEO-Chef Mohamed ElBaradei sagte am Montag, vermutlich werde die Frage an den UNO-Sicherheitsrat weitergeleitet. "Ich habe die mir zur Verfügung stehenden Mittel erschöpft, Nordkorea zur Einhaltung (seiner internationalen Verpflichtungen) zu zwingen", sagte er Reuters. Er erwarte, dass die Vereinten Nationen sich um eine diplomatische Lösung bemühen würden.

In den vergangenen Monaten hatte sich das Verhältnis zwischen den USA und Nordkorea verschlechtert. Anlass war, dass Nordkorea nach US-Angaben entgegen einem Abkommen von 1994 sein Atomprogramm fortgesetzt hat. Die USA stellten daraufhin ihre in dem Abkommen zugesagten Heizöllieferungen an das Land ein. Nordkorea trat anschließend aus dem Atomwaffensperrvertrag aus.

UNO-Sanktionen als Kriegserklärung

Nordkorea hat angekündigt, Sanktionen der UNO als Kriegserklärung zu werten. Die meisten Experten gehen davon aus, dass auch ein präzise ausgeführter Militärschlag gegen die Reaktoranlagen zu einem nordkoreanischen Angriff auf Südkorea führen würde. Die südkoreanische Hauptstadt Seoul liegt in der Reichweite von 10.000 nordkoreanischen Artilleriegeschützen. Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes NIS hat Nordkorea 1,17 Millionen Soldaten unter Waffen, verglichen mit 690.000 Soldaten in Südkorea. Beide Staaten befinden sich seit dem Korea-Krieg 1950 bis 1953 formell noch im Kriegszustand.

Unterdessen sieht sich die Bevölkerung Nordkoreas weiter mit den Folgen der anhaltenden Wirtschaftskrise konfrontiert. Damit die Versorgung mit Nahrungsmitteln in den kommenden Monaten sichergestellt ist, rief UN-Generalsekretär Kofi Annan die Staatengemeinschaft am Montag zu finanzieller Hilfe für Nordkorea auf. Annan ließ sich von seinem Sondergesandten Maurice Strong über die Lage in Nordkorea unterrichten. Strong erklärte, dass sechs bis acht Millionen Menschen für das Überleben auf Spenden angewiesen seien. Bis Ende März benötige das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen 97.000 Tonnen Lebensmittel für seine Nordkorea-Hilfe. Anschließend seien bis Ende des Jahres Mittel von 250 Millionen Dollar (233 Mill. Euro) erforderlich. Bisher seien jedoch erst zehn Millionen Dollar aus europäischen Ländern eingetroffen. (APA/Reuters/AP)

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