Kommentar: Bis es kracht

3. Februar 2003, 19:36
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Eine Sicherheitslücke klafft noch in der Waffenverlässlichkeits-Prüfung

Ohne Führerschein geht gar nichts. Was beim Autofahren seit Jahrzehnten allgemeine Akzeptanz findet, ist beim Waffenbesitz erst seit wenigen Jahren gültig. So unglaublich es klingt, aber früher war es tatsächlich möglich, sich ohne besondere Vorkenntnis und mit einer einfachen Bedarfserklärung eine Smith & Wesson legal zu besorgen.

Seit der Einführung des Waffenführerscheins verzichten nun immer mehr Menschen auf einen angeblich beruhigenden Peacemaker in den eigenen vier Wänden. Fast 50.000 Waffendokumente und dazugehörige Schießeisen wurde in den vergangenen fünf Jahren zurückgegeben.

Den meisten Exbesitzern ist es nach Einschätzung der Behörden einfach zu lästig, regelmäßig einfachste Waffenkenntnis und Schießtechnik unter Beweis zu stellen. Zumindest in diesen Fällen kann das von Waffenbefürwortern so oft zitierte Bedürfnis nach Selbstverteidigung nicht sehr ausgeprägt gewesen sein. Vielleicht liegt der Verzicht auf hausgemachte Sicherheit ja auch nur an den 50 Euro, die der Waffenführerschein alle fünf Jahre kostet. Eine richtige Kosten-Nutzen-Rechnung also.

Eine riesige Sicherheitslücke klafft jedenfalls noch in der so genannten Waffenverlässlichkeitsprüfung. Wer einen Revolver oder eine Pistole will, kann den notwendigen psychologischen Test so oft wiederholen, bis er einen Treffer landet. Dieses Manko ist seit Jahren bekannt und wird seit ebenso vielen Jahren ausgenützt. Im Gegensatz zur verkehrspsychologischen Untersuchung dürfen, wenn es um Schusswaffen geht, problematische Persönlichkeiten nicht weitergemeldet werden - weder an Behörden noch an andere Abnehmer von Psychotests. Letztendlich kommt also immer ein "gesetzestreuer, verlässlicher Bürger" heraus. Bis es kracht. (DER STANDARD, Printausgabe 04.02.2003)

Von Michael Simoner
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