Türkei: Ehefrau des Ministerpräsidenten verklagt eigenes Land

3. Februar 2003, 19:15
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Hayrünnisa Gül fechtet Kopftuchverbot an Universitäten vor dem europäischen Menschengerichtshof an

Istanbul - Die Ehefrau des türkischen Ministerpräsidenten Abdullah Gül klagt vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof gegen das eigene Land, weil sie an den staatlichen Universitäten der Türkei nicht mit Kopftuch studieren darf. Auf Weisung seiner Mandantin Hayrünnisa Gül werde er das Verfahren bis zur höchsten Instanz weiter verfolgen, sagte der Anwalt Mehmet Ali Alan am Montag der Zeitung "Tercüman". Frau Gül war vom Studium ausgeschlossen worden, weil sie ihr Kopftuch in der Universität nicht ablegen will, wie die Behörden es verlangen.

Kopftuch als Symbol des politischen Islam

Die laizistischen Eliten in der Justiz und im mächtigen Militär der Türkei sehen im Kopftuch ein Symbol des politischen Islam und wollen es deshalb nicht in staatlichen Einrichtungen dulden. Güls Regierung der moderat islamischen AK-Partei (Entwicklungs- und Gerechtigkeitspartei) will das Kopftuchverbot lockern und hat sich deshalb seit ihrem Amtsantritt Ende des vergangenen Jahres bereits mehrmals Warnungen der Generäle eingehandelt. Viele Ehefrauen führender AKP-Politiker tragen das Kopftuch, darunter die Ehefrauen des AKP-Vorsitzenden Recep Tayyip Erdogan und des Parlamentspräsidenten Bülent Arinc. (APA/AFP)

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