Kommentar: Lehren der Palmers-Oper

3. Februar 2003, 17:59
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Straffe Publizitätsrichtlinien, wie bei börsennotierten Konzernen üblich, würden auch Familienunternehmen gut tun - Von Leo Szemeliker

Jahrzehntelang sollen die Aktionärsversammlungen im Palmers-Hauptquartier, quasi Österreichs Southfork-Ranch, so abgelaufen sein: Rudolf Humers Pläne wurden von der Familie mit einem beifälligen Nicken quittiert, denn der Kontostand war schon wieder dicker angeschwollen, danach zerstreute sich der Clan wieder in alle Winde, um das zu tun, was reiche Leute eben tun. Humer durfte in der Öffentlichkeit als "Mister Palmers" glänzen, vermehrte das Vermögen um das X-fache; sein eigenes nebenbei auch - was an sich noch kein Problem ist.

Doch im Laufe der Jahre machten sich Trägheitselemente breit, viele Strukturen und Abläufe entsprachen nicht mehr den Anforderungen der Zeit - und damit sind nicht nur die Filialkonzepte gemeint, deren Layout aus den 60er-Jahren stammt. Auch der kommunikative Super-GAU um die versuchte Ablöse Humers konnte nur passieren, weil Palmers ein Firmengeflecht einer klareren und damit modernen Struktur lange vorgezogen hat. So offenherzig die Models auf den Plakaten waren, so zugeknöpft war die Gruppe: mit führenden Figuren, die hie Prokurist, da Aufsichtsrat, dort Vorstand waren. So etwas begünstigt, dass sich im Krisenfall ein Aktionär und zwei Vorstände über jeweils eigene Sprecher der Öffentlichkeit mitteilen. Das Stimmengewirr ruinierte nachhaltig das Image. Schlussendlich mussten sich arme Verkäuferinnen mit Kundenfragen quälen wie: "Euch gibt’s eh nimmer lang, oder?"

Fazit: Es zeigt sich, dass die straffen Publizitätsrichtlinien, wie sie börsenotierte Konzerne halten - mit allen Rechten und Pflichten -, auch Familienunternehmen gut tun würden. Das wäre aber Pech für Real-Soap-Opera-Fans: Geschichten à la "Dallas" und "Dynasty", nur mit echten Menschen, würden damit seltener bekannt werden. (DER STANDARD, Printausgabe 4.2.2003)

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