IAEO will UNO-Sicherheitsrat einschalten

3. Februar 2003, 20:33
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Krisensitzung in Wien am 12. Februar - Pjöngjang betont Kampfbereitschaft

Wien - Im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm wird die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) nach Worten ihres Direktors Mohamed ElBaradei voraussichtlich den UNO-Sicherheitsrat einschalten.

Das Direktorium der IAEO werde das Problem vermutlich an den UNO-Sicherheitsrat überweisen, sagte ElBaradei der Nachrichtenagentur Reuters am Montag in Wien. Die Krisensitzung des IAEO-Direktoriums solle am 12. Februar stattfinden. Er habe alle in seiner Macht stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft, um Nordkorea zum Einlenken zu bewegen, sagte ElBaradei.

Keine Sanktionen zu erwarten

Nordkorea hat im Jänner seinen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag erklärt. Zudem hat das Land US-Angaben zufolge eingestanden, entgegen internationaler Verpflichtungen jahrelang ein geheimes Atomprogramm betrieben zu haben. Die IAEO befürchtet, dass Nordkorea innerhalb von sechs Monaten waffentaugliches Plutonium herstellen könnte, sollte es seine Wiederaufbereitungsanlage von Yongbyon wieder in Betrieb nehmen.

ElBaradei sagte, er gehe nicht davon aus, dass der UNO-Sicherheitsrat im Konflikt mit Nordkorea Wirtschaftssanktionen verhängen oder ein militärisches Eingreifen erwägen werde. Er glaube vielmehr, dass der UNO-Sicherheitsrat nach einer friedlichen Lösung suchen werde.

Der als Sprachrohr der kommunistischen Führung Nordkoreas geltende Radiosender Radio Pjöngjang meldete am Montag, die Armee des Landes sei für den Fall eines US-Angriffs kampfbereit. Das südkoreanische Verteidigungsministerium teilte mit, es habe keine ungewöhnlichen Truppenbewegungen in Nordkorea festgestellt.

Die USA stoppten unterdessen den geplanten Abzug von 2900 Soldaten aus Südkorea. Damit solle die Kampfbereitschaft vor Ort gesichert werden, erklärte US-Generalleutnant Charles Campbell am Montag in Seoul. Angesichts der Mobilisierung von US-Truppen in der Golfregion und in Afghanistan müsse die Truppenstärke auf der koreanischen Halbinsel weiter gehalten werden.

Die in Südkorea stationierten 37.000 US-Soldaten befinden sich wegen der Krise um das nordkoreanische Atomprogramm bereits seit Dezember in Alarmbereitschaft. In den kommenden drei Monaten hatten ursprünglich 2900 Soldaten abgezogen werden sollen.

Vergangene Woche hatte der Chef des US-Pazifikkommandos, Admiral Thomas Fargo, Presseberichten zufolge das Pentagon um die Entsendung weiterer Soldaten, Kampfflieger und Kriegsschiffe gebeten. Damit solle verhindert werden, dass Nordkorea aus einem möglichen Irak-Krieg militärischen Nutzen ziehe.

Nordkorea wehrt sich gegen die Absicht der USA, den Konflikt dem UNO-Sicherheitsrat vorzulegen. Die Amerikaner versuchten damit, "ihre schmutzigen aggressiven Ziele zu erreichen", hieß es am Montag in einem Kommentar von Radio Pjöngjang. (APA/Reuters)

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    Mohammed ElBaradei

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