Nur vage Unterstützung für Bagdad in Abu Dhabi

3. Februar 2003, 17:49
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Irakischer Gesundheitsminister Mubarak spricht im STANDARD-Gespräch von einer "aufrechten Chance" für Frieden

Zwischen Tisch und Stuhl saß der irakische Gesundheitsminister Umid Midhat Mubarak - ein kultivierter, sympathisch wirkender Kurde, der in den Siebzigerjahren in Wien bei Prof. Karl Fellinger Medizin studiert hat - bei der großen arabischen Umwelt- und Energiekonferenz in Abu Dhabi: Konnte er im Sitzungssaal Sympathiekundgebungen seiner arabischen Brüder und lautstarke Invektiven gegen Israel hören, so kam kein offizieller Laut der vielen anwesenden arabischen Minister, der wie eine echte Unterstützung des Irak klang. Gleichzeitig gab es Gerüchte, dass sich auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten bereits US-Truppen aufhalten.

Trotzdem zeigte sich Mubarak im Gespräch mit dem STANDARD darüber erfreut, dass in der Schlusserklärung der Konferenz der Aufruf festgehalten sei, die Ressourcen der arabischen Länder nicht zu zerstören. Was könne da anderes gemeint sein als ein Irakkrieg und das irakische Öl? Der Wortlaut der betreffenden Stelle in der Erklärung klingt allerdings weniger dramatisch, vage ist vom "Recht der arabischen Länder auf die Erhaltung ihrer Ressourcen" die Rede.

Ebenso ist aber an prominenter Stelle in der Erklärung die "Notwendigkeit" festgeschrieben, die internationalen Märkte ohne Unterbrechung und Hindernisse weiter mit Öl zu versorgen; gemeint ist zweifellos: im Kriegsfall.

Genannt wird der Irak aber nirgends, ebenso wenig wie Israel, das als "Länder, die der Internationalen Atomenergiebehörde verwehren, ihre nuklearen Aktivitäten zu überwachen" vorkommt. Mubarak erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass Resolution 687, in der dem Irak 1991 die Abrüstung verordnet wurde, einen gesamten atomwaffenfreien Nahen Osten vorsah.

Mubarak, der am Tag zuvor im Gespräch mit der Gulf Times der offiziellen martialischen Linie des Irak gefolgt war - "die Iraker werden ihr Land verteidigen" -, sprach zum STANDARD von einer aufrechten diplomatischen Chance, den Krieg noch zu verhindern. Die Ausgangslage für den Irak sei viel günstiger als 1991. Die Haltung einiger europäischer Länder, so Mubarak, werde im Irak sehr geschätzt, diese würden "die Menschenrechte verteidigen".

Und wenngleich sie "unfair" sei, tue der Irak alles, um Resolution 1441 zu erfüllen. Beweise für Massenvernichtungswaffen werde es auch am Mittwoch nicht geben, und wenn doch, dann wären diese konstruiert; die USA "sollten sich schämen".

Die Repräsentanten der Golfländer gaben sich auf der Konferenz besorgt, welche Umweltschäden wohl ein nächster Irakkrieg bringen könnte - wobei ja 1991 der Irak durch das Anzünden der Ölquellen selbst die größten regionalen Schäden verursacht hatte.

Für Mubarak ist das Leben mit Kriegsfolgen aber tägliche Realität: Die von den USA eingesetzte Uranmunition habe schreckliche Spätfolgen, die wegen des Embargos - genauer gesagt, weil die USA im Sanktionenkomitee etwa 50 Prozent der Kaufverträge für Medikamente blockiere - nicht einmal behandelt werden können, sagte Mubarak. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2003)

Gudrun Harrer aus Abu Dhabi
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    Gesundheitsminister Umid Midhat Mubarak: "Die USA sollten sich schämen"

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