Tiroler Forscher erarbeiten neue Grundlagen für Wildbachverbauung

3. Februar 2003, 16:07
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Wildbach- und Lawinenforschung soll erleichtert werden - Modell gilt für ganz Österrech

Wien - Mit einem einheitlichen und vor allem für Praktiker leicht anwendbaren System wollen Wissenschafter des Instituts für Wildbach- und Lawinenforschung am Bundesamt und Forschungszentrum für Wald (BFW) in Innsbruck die Arbeit der Wildbachverbauung erleichtern. Eine so genannte Geländeanleitung zur Beurteilung des Abflussverhaltens wurde unter anderem mit Hilfe von Beregnungsversuchen erstellt.

Durch diese Anleitung können verschieden starke Oberflächenabflüsse von Standorten in Wildbacheinzugsgebieten abgeschätzt werden, ein so genanntes Laufzeitverfahren (ZEMOKOST) dient zur Berechnung dieser Abflüsse im Wildbach selbst. "Bisher verwenden die Planer von Wildbachverbauungen bei ihren Berechnungen Abflussformeln, die nur einfache Informationen aus dem Einzugsgebiet enthalten", sagte Waldökologe Gerhard Markart gegenüber der APA. Für detaillierte Fragestellungen gibt es zwar spezielle Abflussmodelle, die aber vielfach Daten erfordern, die vom Praktiker an Ort und Stelle nicht - oder nur mit großem Aufwand - erhoben werden können.

Oberflächenabfluss

Entscheidend für die Beurteilung, wie viel Wasser man bei Starkregen an einem bestimmten Wildbachabschnitt erwarten muss, ist etwa der Oberflächenabfluss der Hänge im Einzugsgebiet - also die Regenmenge, die direkt und ohne zu versickern in den Wildbach rinnt. "Dieser Abfluss wiederum hängt im wesentlichen von der vorherrschenden Vegetation und den Böden darunter ab", so Vegetationskundler Bernhard Kohl. Die Geländeanleitung weist daher den Praktiker an, den Boden grob zu beurteilen - etwa als "skelettreich", "locker", "dicht" oder "bindig". Zudem wird die Vegetation erfasst, bestimmten Gruppen zugeordnet und nach Zeigerpflanzen Ausschau gehalten.

So gelten viele Pflanzen (zum Beispiel Sumpfdotterblumen) als Zeiger, dass der Oberflächenabfluss höher ist, da es sich um einen häufig feuchten Standort handelt. Zumeist positiv wirken sich Wald und Zwergstrauchbestände aus, hier wird viel Wasser gespeichert und/oder ins Grundwasser abgeleitet. In dieser Hinsicht schlecht sind neben Rohböden und Feuchtstandorten auch Rasenflächen. Schließlich spielen auch die Nutzung durch den Menschen und die Jahreszeit eine Rolle für die zu erwarteten Abflussmengen.

"Letztendlich kann der Planer nach unserem System unterschiedlichen Standorten so genannte Abflussbeiwerte nach einer siebenteiligen Skala zuordnen, den Abfluss für jeden Abschnitt mit dem Laufzeitverfahren berechnen und so die Dimensionierung allfälliger Verbauungen besser erfolgen", betonen die Wissenschafter. (APA)

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