Deutsche Fußball-Bundesliga-Rechte auf dem freien Markt

4. Februar 2003, 11:10
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Sat.1 zieht Option nicht - früherer RTL-Chef Thoma: "Preise im Fußball werden sinken"

Die Übertragungsrechte der deutschen Fußball-Bundesliga befinden sich wieder auf dem freien Markt. Sat.1 hat die Option, die Rechte für die kommende Saison zu ähnlichen Konditionen wie bisher zu erwerben, nicht gezogen. Der Privatsender zahlt bisher 80 Mio. Euro pro Jahr für die Erstrechte im Free TV. "Fußball ist unter den derzeitigen Bedingungen für uns ein hochdefizitäres Geschäft. Deshalb haben wir uns entschieden, die Option nicht auszuüben. Das haben wir dem Rechteinhaber mitgeteilt", sagte Torsten Rossmann, Sprecher der ProSiebenSat.1 Media AG, am Montag.

Frist abgelaufen

Die Frist für die Option war nach Angaben der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Montag-Ausgabe) am vergangenen Wochenende abgelaufen. Der Rechteinhaber Infront AG, der jeweils 290 Mio. Euro für die laufende und die nächste Saison an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zahlt, kann nun mit anderen Sendern über die Rechte im frei empfangbaren Fernsehen verhandeln. Als erster Interessent gilt aber trotz des Optionsverzichts Sat.1. Der Privatsender will auch nächste Saison die Bundesligaspiele zeigen, allerdings nicht zum bisherigen Preis und zu anderen Bedingungen wie zum Beispiel mehr Livespiele.

Strategisches Produkt

"Fußball ist ein strategisches Produkt. Deshalb streben wir einen langfristigen Bundesliga-Vertrag an, möglichst nah bis an die WM 2006", sagte Rossmann. Die Schweizer Firma Infront, in der der frühere DFB-Nationalspieler Günter Netzer Mitgesellschafter ist, besitzt neben der Bundesliga auch die WM-Rechte 2006. Die WM-Endrunde 2006 in Deutschland steht auf der Prioritätenliste von ARD/ZDF deutlich vor der Bundesliga, für die "offiziell" kein Geld vorhanden sei und kein großes Interesse bestehe.

ARD wieder möglicher Bundesligasender

Der Sat.1-Verzicht auf die Option bringt die ARD wieder als möglichen Bundesligasender ins Spiel. Mehrere Vereine sind nach dpa- Informationen schon beim "Ersten" vorstellig geworden. Vor allem die Spitzenklubs wie Bayern München und Borussia Dortmund, die Rechtepreise von mehr als 100 Mio. Euro erlösen möchten, sind unzufrieden mit dem bisherigen TV-Partner Sat.1 und schließen einen Wechsel nicht aus.

Sinkende Preise

Helmut Thoma rechnet mit sinkenden Preisen für die Fußball-Übertragungsrechte. "Fußball ist in allen europäischen Ländern viel zu teuer geworden. Die Verluste sind zweistellig, in dieser Form ist das nicht mehr zu tragen", sagte der frühere RTL- Geschäftsführer auf dem 7. ispo-Sport-Sponsoring-Kongress am Montag in München. Zudem sei "die Zusammensetzung der Zuschauer nicht mehr so attraktiv". Formel 1 und Skispringen hätten viel jüngere Zuschauer als der Fußball.

Champions Leaque: "Das Maß aller Dinge"

Im Fußball sei für das Fernsehen die Champions League "das Maß aller Dinge", dagegen fielen die nationalen Spiele ab, sagte Thoma. "Eine Ausnahme wäre am Ende der Meisterschaft ein entscheidendes Spiel, wo es um die Meisterschaft geht." Trotz der Attraktivität der europäischen "Königsklasse" geht er davon aus, dass es auch hier eine gewaltige Preisreduzierung geben müsse, damit RTL den Vertrag noch einmal verlängere. Andernfalls werde sich der Privatsender womöglich auf Formel 1 und Skispringen konzentrieren.

Sport zum Gesprächsstoff machen

Den Erfolg des Skispringens führt er vor allem auf die unterschiedliche Darstellungsweise durch öffentlich-rechtliche und private Sender zurück. "Man muss Sport zum Gesprächsstoff machen", sagte der Österreicher Thoma, der davon ausgeht, dass die Preise für die Rechte an Skisprung-Übertragungen steigen. (APA/dpa)

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