CDU legte vor allem bei jungen Männern zu

4. Februar 2003, 06:31
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"Denkzettel" für die SPD - Längerfristiger Trend umstritten

Jungwähler waren Hauptakteure bei "Denkzettel"-Wahlen in Deutschland

Berlin - Bei den Wahlen in Hessen und Niedersachsen haben vor allem die jüngeren Menschen der SPD einen Denkzettel verpasst, indem sie scharenweise zur CDU wechselten. In der Gruppe der Wähler unter 40 Jahren machten die Meinungsforschungsinstitute die größten Bewegungen bei den Stimmanteilen der beiden großen Parteien aus. Ein langfristiger Trend hin zur CDU ist daraus jedoch nicht unbedingt zu lesen.

Nach Berechnungen der Forschungsgruppe Wahlen legte die hessische CDU bei den unter 30-Jährigen um zwölf Prozentpunkte zu, in Niedersachsen erzielten die Christdemokraten ihr größtes Plus mit 17 Punkten bei den 30- bis 44-Jährigen. Bei den Wählern unter 30 errechnete die Forschungsgruppe Wahlen in Niedersachsen insgesamt 49 Prozent und in Hessen 48 Prozent für die CDU. "Das sind in diesen Ländern bisher nie da gewesene Ergebnisse", lautet die Analyse der Wahlforscher. Zum Vergleich: Bei den Wählern über 60 verbesserte sich die CDU in Niedersachsen nur um sieben und in Hessen nur um vier Punkte.

Nach den Berechnungen des Institutes Infratest/dimap waren es vor allem die jungen Männer zwischen 18 und 24 Jahren, die sich der CDU zuwandten: In Hessen wählten sie zu 52 Prozent die Christdemokraten, in Niedersachsen zu 47 Prozent. Im Gegenzug sackte die SPD bei den jungen Männern in Hessen auf 19 Prozent und in Niedersachsen auf 27 Prozent ab.

Die jüngeren Wähler neigten laut der Analyse der Forschungsgruppe Wahlen bei der Doppelwahl vom Sonntag deutlicher als die Älteren dazu, der SPD einen Denkzettel zu verpassen. "Sie sind im stärkeren Maße zum Wechsel bereit", konstatiert Vorstandsmitglied Dieter Roth. Für den Experten ist dieses Phänomen nicht ganz neu: "Es ist ein steter Trend, dass die Bindungen abnehmen." Doch damit habe die CDU den Wähler-Nachwuchs noch keineswegs langfristig für sich gewonnen. Denn die Jungen suchten sich ihre politische Interessenvertretung kurzfristig - und könnten sich so später auch wieder anderen Parteien zuwenden.

Demgegenüber ordnet das Institut Infratest/dimap die Wahlergebnisse durchaus in einen längerfristigen Trend ein, von dem offenbar die CDU profitiert. Die jungen Menschen ließen seit einiger Zeit erkennen, dass sie ihre Wahlentscheidung unabhängig von einer Ideologie fällen, meint Reinhard Schlinkert von Infratest/dimap. "Jetzt sieht es so aus, dass die Leute, die sich auf den Arbeitsmarkt behaupten müssen, stärker Union gewählt haben." (APA)

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    CDU-Parteichefin Angela Merkel mit den beiden Gewinnern aus Hessen, Roland Koch (links), und Niedersachsen, Christian Wulff.

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