Doch keine Drogen- Schnellentzugs-Station in der Steiermark

3. Februar 2003, 21:32
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Die Investoren fehlen

Graz - In der Steiermark wird in absehbarer Zeit doch keine Drogenklinik nach britischem Modell gebaut, die einen Drogenentzug innerhalb weniger Tage möglich machen sollte. Wie der ORF in seiner Online-Ausgabe am Montag berichtete, fehlen zur Umsetzung des Konzeptes die nötigen Investoren und die Unterstützung der Sozialversicherungsträger. Der Initiator, VP-Abg. Werner Miedl, bestätigte dies und nannte "fehlende Bereitschaft von Sozialversicherungsträgern" als Hauptgrund.

Bei der Vorstellung des Konzeptes vor rund einem Jahr hatte sich Miedl noch optimistisch gezeigt, die Ansiedelung der britischen Klinikkette Cynget innerhalb eines Jahres realisieren zu können. Ein Konsortium rund um John C. Hughes, den Mehrheitsaktionär der britischen Klinik-Konzerns, sowie die finanzielle Beteiligung "steirischer Ärzte, Psychotherapeuten und Rechtsanwälte" hätten den Betrieb der Station sicherstellen sollen. Als Standort war eine Gemeinde in der Südsteiermark vorgesehen.

"Sozialversicherungsträger verantwortlich"

Für das Misslingen des Plans macht Miedl nun die Sozialversicherungsträger verantwortlich: "Nachdem die steirischen Sozialversicherungsträger bislang keine Form der Mitfinanzierung kennen, hätte John Hughes, der Mehrheitsaktionär der Klinikkette, die Klinik völlig allein finanzieren müssen. Und er weiß nicht, ob die Patienten dann wirklich so kommen, wie es für diese Investition notwendig wäre", so Miedl. Man scheint also zu fürchten, dass die Zahl der zahlenden Patienten nicht ausreichen könnte, um den Betrieb zu finanzieren.

Im Gespräch mit der APA betonte Miedl, dass er weiter mit den Sozialversicherungsträgern verhandeln werde, um zu einer Mitbeteiligung an den Kosten zu kommen. "Wir können in der Tat davon ausgehen, dass die soziale Situation der meisten Patienten so ist, dass sie sich den Entzug auf eigene Kosten nicht leisten werden können", so Miedl. Der Fünf-Tages-Entzug würde in der Klinik rund 4.000 Euro kosten. Wenn nun aber die österreichischen Sozialversicherungsträger Substitutionsprogramme finanzieren, sei es "nicht einzusehen, warum nicht auch wenigstens zum Teil der Kurzentzug finanziert werden soll", so Miedl.

"Aus dem Umstand, dass es noch kurz vor den Wahlen geheißen hat, die Steiermark sei eine Drogenhochburg und plötzlich heißt es, dass wir quasi zu wenig Drogenabhängige haben, möge sich jeder seinen eigenen Reim bilden", hieß es dazu am Montag aus dem Büro von Gesundheitslandesrat Günter Dörflinger. Dort betonte man, dass in der Steiermark in der Sigmund-Freud-Klinik zurzeit sechs Betten für den körperlichen Entzug bereit stünden. Ab 2005 sollen dann zwanzig Betten für die langfristige Therapie und acht für den Sofort-Entzug vorhanden sein. (APA)

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