Österreich rüstet ab

26. Februar 2003, 13:25
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Die Verschärfung des Waffengesetzes zeigt Wirkung: In den vergangenen fünf Jahren ist die Anzahl der waffenrechtlichen Dokumente um fast 50.000 Stück zurückgegangen - Mit Grafik

Wien - Mit Stichtag 1. Jänner 2003 waren in Österreich 312.342 Personen im Besitz eines Waffendokumentes. Das bedeutet, dass im Vorjahr 13.800 Besitzer von legalen Pistolen, Revolvern und Gewehren die Waffen niedergelegt haben. Der Trend ist bereits seit 1998 rückläufig, damals wurde mit 360.805 Waffendokumenten das bisherige Rekordjahr der privaten Aufrüstung geschrieben. Das neuerliche Minus ist aber überraschend groß.

Am deutlichsten fiel der Rückgang bei Waffenbesitzkarten aus. Rund 9000 Personen gaben im Vorjahr die Dokumente, die den Besitz von Faustfeuerwaffen regeln, zurück und ließen ihre Waffen verschrotten.

Grund für die freiwillige Entwaffnung der Haushalte ist die Mitte 1997 in Kraft getretenen Verschärfung des Waffengesetzes. Seit damals müssen Waffenbesitzer nicht nur einen psychologischen Eignungstest absolvieren. Auch ein Kursus, der den praktischen Umgang mit Revolver und Pistole beinhaltet, ist in regelmäßigen Abständen vorgeschrieben. "Viele wollen sich den Waffenführerschein nicht mehr antun", hieß es auf STANDARD-Anfrage im Innenministerium. Laut Gesetz müssen Inhaber von Faustfeuerwaffen alle fünf Jahre zum theoretischen und praktischen Test. Kostenpunkt: rund 50 Euro.

Psychotest: 400 Euro

Wesentlich teurer ist die psychologische Waffenverlässlichkeitsprüfung. Zwischen 200 und 400 Euro müssen Personen, die eine Besitzkarte oder einen Waffenpass beantragen, auf den Tisch blättern. An die 350 niedergelassene Psychologen im gesamten Bundesgebiet dürfen den "Psychotest" abnehmen. Den stärksten Anteil an Prüflingen hat das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), das seit langem auch verkehrspsychologische Untersuchungen und Eignungstests für Piloten durchführt.

Nach wie vor können Waffenbesitzer in spe bei verschiedenen Psychologen so oft antreten, bis sie den Eignungstest schaffen. Da die Fragen standardisiert sind, ist es theoretisch nur eine Frage der Zeit. Die berechtigten Prüfungsinstitute stehen auch nicht miteinander in Kontakt, deshalb werden allfällige Auffälligkeiten von Probanden, wie zum Beispiel Alkoholsucht, nicht weitergemeldet.

"Seit geraumer Zeit bemühen wir uns um die Vernetzung der Prüfstellen", meint KfV-Direktor Othmar Thann. Das Kuratorium habe gemeinsam mit dem Berufsverband der Psychologen sogar bereits eigene Clearingstellen ausgearbeitet. Doch im Innenministerium, wo letztendlich eine Entscheidung getroffen werden muss, liege das Thema seit Monaten auf Eis. (DER STANDARD, Printausgabe 04.02.2003)

Von Michael Simoner

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Gesetzesvorlagen
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    Seit es den "Waffen-Führerschein" gibt, ist die Anlage eines Waffenlagers nunmehr erschwert möglich.

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