Spaltung der EU zu Irak-Krise auch in Volksmeinungen erkennbar

3. Februar 2003, 17:59
10 Postings

Österreicher gehören zu größten Skeptikern eines US-Alleingangs

Wien - Die durch die "Erklärung der Acht" sichtbar gewordene Spaltung Europas in der Frage der Unterstützung der US-Position in der Irak-Krise spiegelt sich in den Meinungen der einzelnen Bevölkerungen wider. Laut einer vergangene Woche von EOS Gallup Europe veröffentlichten Umfrage stehen die Deutschen und Franzosen deutlich zur Linie ihrer Regierungen: 87 Prozent der befragten Deutschen und 86 Prozent der Franzosen sind demnach gegen ein militärisches Eingreifen der USA im Irak ohne formelle Zustimmung der UNO.

Die Österreicher gehören EU-weit ebenfalls zu den größten Skeptikern eines US-Alleingangs im Irak. Österreich liegt mit 85 Prozent nach Deutschland und Frankreich knapp nach Griechenland (86 Prozent) in der Umfrage an vierter Stelle unter den gegenwärtigen und künftigen EU-Mitgliedsländern (EU-25). Auffallend an den Ergebnissen ist, dass die Slowaken die einzigen unter den befragten Bevölkerungen sind, die mehrheitlich, nämlich zu 54 Prozent, ein Eingreifen der USA auch ohne UNO-Mandat befürworten. 46 Prozent der Slowaken sind dagegen, Unentschlossene wurden in der Umfrage nicht ausgewiesen.

Der Ministerpräsident des künftigen EU- und NATO-Landes Slowakei, Mikulas Dzurinda, hatte einen Tag nach der Veröffentlichung der so genannten Erklärung der Acht nachgezogen und einen Schulterschluss mit den USA befürwortet. Die Umfrage von EOS-Gallup Europe wurde am selben Tag wie die Erklärung der Acht veröffentlicht.

"Europa und Amerika müssen Seite an Seite stehen"

Hohe prozentuelle Anteile der US-Unterstützer gibt es auch in Tschechien, Polen, Großbritannien, Portugal, Italien und Dänemark - alles Länder, deren Staats- und Regierungschefs die Erklärung unterzeichnet hatten. Einzig die spanischen Befragten finden sich, entgegen der Regierungslinie von Ministerpräsident Jose Maria Aznar, im europäischen Mittelfeld. Aznar gehört in Europa neben dem britischen Premier Tony Blair zu den engsten Verbündeten von US-Präsident George Bush in der Irak-Frage.

Insgesamt sind die Befragten in den Ländern der EU-25 im Durchschnitt klar gegen einen US-Alleingang: 78 Prozent der Befragten lehnen eine US-Militäraktion im Irak ab, 19 Prozent sind dafür und nur vier Prozent haben keine Meinung. Interessant - aber wegen der Nähe zum Irak nicht wirklich überraschend - ist auch, dass in der Türkei, wo ebenfalls Daten erhoben wurden, mit 88 Prozent die Anzahl der Skeptiker noch höher ist als in Deutschland.

Die Umfrage wurde in 30 Staaten unter 15.080 Europäern über 15 Jahren in der Zeit zwischen 21. und 27. Jänner erhoben und am Abend des 29. Jänner zur Veröffentlichung frei gegeben. Die Erklärung der Acht erschien in den Ausgaben vom 30. Jänner mehrerer Zeitungen in Europa mit dem Titel "Europa und Amerika müssen Seite an Seite stehen" und wurde vom spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar sowie den Ministerpräsidenten von Großbritannien (Tony Blair), Portugal (Jose Manuel Durao Barroso), Italien (Silvio Berlusconi), Dänemark (Anders Fogh Rasmussen), Ungarn (Peter Medgyessy), Polen (Leszek Miller) und dem tschechischen Präsidenten Vaclav Havel unterzeichet. (APA)

Share if you care.