Eine Prise "Pippi" und eine Dosis "Potter"

3. Februar 2003, 13:10
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Neue Kinderheldin mit fesselnder Stimme und magischem Blick: "Molly Moon" soll Kinderbuchmarkt erobern

München - Nach Harry Potter soll jetzt das Waisenkind Molly Moon den Kinderbuchmarkt erobern. Der Debütroman der Britin Georgia Byng über den märchenhaften Aufstieg vom armen Mädchen zum Musicalstar mit Hilfe der Hypnose kommt fast zeitgleich in 25 Ländern heraus. "Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn wir mit "Molly Moon" ähnliche Resonanz fänden wie Harry Potter, aber die Figuren sind doch sehr unterschiedlich", sagte eine Sprecherin des Verlages.

Filmrechte für stattliche Summe verkauft

In Großbritannien, wo die Originalausgabe ("Molly Moon's Incredible Book of Hypnotism") im vergangenen Mai erschien, sprachen Kritiker bereits von einer würdigen Nachfolgerin für Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling. Auch die Filmrechte gingen für eine sechsstellige Summe an den Produzenten der Harry-Potter-Filme.

Mixtur prominenter Kinderbuchfiguren

Doch der Vergleich hinkt: Byng ist nicht Rowling und Molly Moon nicht der Zauberlehrling. Tatsächlich erinnert die Waisenhausgöre eher an eine Mixtur prominenter Figuren aus der Kinderliteratur. Sie hat ähnlich magische Fähigkeiten wie Harry Potter, besitzt die Abenteuerlust von Pippi Langstrumpf, aber sie verkörpert auch jene Moral und Menschlichkeit, die in den Werken von Charles Dickens ("David Copperfield", "Oliver Twist") enthalten ist.

In "Molly Moon" beschreibt Byng, wie die einsame Tagträumerin zum Star am Broadway in New York wird. Das Waisenkind kann zwar nicht zaubern, hat sich aber mit Hilfe eines uralten Buches heimlich die Kunst der Hypnose beigebracht. Und plötzlich ist in dem spartanischen Waisenhaus von Hardwick nichts mehr so, wie es einst war.

"Sumpfauge" mit Sinn für Humor

Molly, von anderen Kindern als "Sumpfauge" verspottet, setzt die Hypnose auf vielfältige Weise und mit großem Sinn für Humor ein: Mit ihrem fesselnden Blick und ihrer magischen Stimme befreit sie den Mops Petula von seinen üblen Launen, lässt die dicke Köchin Edna nur noch italienische Köstlichkeiten zubereiten und die Leiterin des Waisenhauses - die garstige Mrs. Adderstone - plötzlich vor Freundlichkeit und Fürsorge triefen.

Das 352 Seiten starke Buch ist zwar in erster Linie für Mädchen und Burschen ab etwa zehn Jahren gedacht. "Molly Moon" wird aber sicherlich auch viele Erwachsene in den Bann ziehen.

Hypnose-"Anleitungen" umstritten

Unumstritten ist ihr Erstlingswerk aber nicht. Nach Ansicht von Kritikern sind die Methoden, um in Trance zu fallen, viel zu detailliert dargestellt. Britische Hypnose-Fachgesellschaften haben Eltern davor gewarnt, dass deren Nachwuchs nach Lektüre des Buches die beschriebenen Techniken anwenden und Klassenkameraden willenlos machen könnte. Solche Befürchtungen bezeichnete Byng in der britischen Presse als absurd: "Wie kann jemand ernsthaft glauben, dass Kinder durch das Lesen meines Buches lernen könnten, Menschen zu hypnotisieren? Das ist ja so lächerlich, als wenn man sagen würde, Kinder dürften nicht mehr auf Spielplätze gehen, da sie durch das Schwingen und Schaukeln dort in Hypnose fallen könnten." (APA/dpa)

Leseprobe bei Hanser
  • Georgia Byng"Molly Moon"erschienen bei
HanserEuro 15,40 Euro
    foto: hanser

    Georgia Byng
    "Molly Moon"
    erschienen bei Hanser
    Euro 15,40 Euro

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    Der Mops Petula wird von Molly per Hypnose von seinen üblen Launen befreit.

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