Handel: Die "Großen" im Plus, die "Kleinen" in Bedrängnis

3. Februar 2003, 12:52
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Bei Ausweitung der Öffnungszeiten drohen den Beschäftigten weitere Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen

Wien - Der heimische Handel ist mehr noch als andere Branche von einer gespaltenen Umsatzentwicklung gekennzeichnet. Während es den großen Unternehmen gut geht, kommen die "Kleinen" in wirtschaftliche Bedrängnis. Dies ergab eine von der Arbeiterkammer (AK) durchgeführte Analyse von 84 Handelsunternehmen in Österreich mit fast 54.000 Beschäftigten.

Die Gewinne der untersuchten Unternehmen haben sich laut der kürzlich fertig gestellten Studie im Jahr 2001 verbessert. Der Jahresüberschuss gemessen an den Umsätzen stieg von 2,1 auf 2,6 Prozent, was vor allem auf die höheren Gewinne im operativen Geschäftsbereich zurückzuführen sei. Ihre Gewinne steigerten laut AK-Studie beispielsweise die Modekette H&M, der Elektroriese Hartlauer und die Lebensmittelkette Spar.

Längeren Öffnungszeiten mit negativen Folgen

Ebenfalls verbessert hat sich im Branchenschnitt die Selbstfinanzierungssituation gemessen am betrieblichen Cash-Flow. So lässt sich aus den Bilanzen eine Cash-Flow-Quote von durchschnittlich 4,8 (2000: 4,2) Prozent errechnen. 2001 wurde im Handel etwas weniger investiert als im Jahr davor. Durchschnittlich wurden laut AK-Studie rund 2,6 Prozent der Umsatzerlöse für den Kauf von Sachanlagen verwendet gegenüber noch 3,2 Prozent im Jahr 2000. Die Finanzierung der Investitionen erfolgte im Branchenschnitt gänzlich aus dem betrieblichen Cash-Flow.

Die von der Wirtschaft geforderten längeren Öffnungszeiten werde für viele der mehr als 200.000 Beschäftigten im österreichischen Einzelhandel weitere Verschlechterungen bringen, kritisiert die Arbeiterkammer. Der Großteil der Handelsangestellten sind Frauen, die vor allem Teilzeit beschäftigt sind. Die Erfahrung zeige, dass viele der Betroffenen oft Pausen so hinnehmen müssen, "wie sie in das Geschäft passen" oder bestimmte arbeitsrechtlich vorgesehene Ruhezeiten nur schwer durchsetzten können. Darüber hinaus, so die AK, müssen sie sich mit schweren Gehaltsnachteilen abfinden.(APA)

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