US-Lyriker gegen Kriegskurs

6. Februar 2003, 14:01
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Auch der amtierende "Hofdichter" Billy Collins rief nun zu Wortmeldungen auf

New York - Immer mehr amerikanische Lyriker äußern sich öffentlich gegen den Kurs ihrer Regierung gegenüber dem Irak. Auch Poeten, die ansonsten unpolitisch seien, sollten sich mit Protestäußerungen nicht zurückhalten, erklärte Amerikas amtierender Dichterfürst (Poet Laureate), Billy Collins, nach US-Medienberichten vom Donnerstag. Sie könnten sich nicht auf ihre Lyrik zurückziehen, "während dieses Land in einen Krieg getrieben wird".

Ähnlich äußerten sich mehrere frühere Inhaber des eigentlich nicht politischen Ehrenamtes, das jeweils von der Library of Congress vergeben wird. Collins, seine Amtsvorgänger als Poet Laureate, Richard Wilbur, Stanley Kunitz und Rita Dove, sowie der Nobelpreisträger Derek Walcott und nahezu 40 weitere Lyriker hatten bereits im vergangenen Monat eine Anti-Kriegs-Petition unterzeichnet. Sam Hamill, derzeit einer der prominentesten Poeten der USA, rief dazu auf, Gedichte gegen den Krieg zu schreiben.

Verstimmtes Weißes Haus

Das politische Engagement der Poeten hat bereits zu schweren Verstimmungen mit dem Weißen Haus geführt. First Lady Laura Bush sagte in der vergangenen Woche ein Dichter-Symposium ab, zu dem sie führende Lyriker eingeladen hatte. Zuvor hatten mehrere von ihnen erklärt, bei der Veranstaltung im Weißen Haus Gedichte gegen den Krieg vortragen zu wollen. Die ehemalige Bibliothekarin, die sich als First Lady um die Förderung amerikanischer Dichter kümmert, ließ über eine Sprecherin erklären, es sei "unangemessen, ein literarisches Ereignis in ein politisches Forum umzuwandeln". Das Symposium sollte am 12. Februar unter dem Titel "Dichtkunst und die Stimme Amerikas" stattfinden.

Collins erklärte nun, er habe sich in seinem Amt als Dichterfürst stets bemüht, den Westteil des Weißen Hauses, wo der Präsident agiert, nicht mit dem eher privaten Ostteil zu vermischen. Das bereite ihm aber trotz aller Anerkennung der Bemühungen Laura Bushs um die Dichtkunst angesichts der Kriegsgefahr zunehmend Schwierigkeiten. (APA/dpa)

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