"Großen" geht es gut, "Kleinen" weniger

3. Februar 2003, 13:19
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AK-Handelsstudie bestätigt Wachstum - meist weibliche Angestellte leben mit flexiblen Arbeitszeiten und Niedriglöhnen

Wien - Während einerseits viele Einzelhandelsbeschäftigte bei ihrer Arbeitszeitgestaltung nicht mitreden können, verlangt anderseits die Wirtschaft immer noch mehr Flexibilität, beanstanden Expertinnen von der Arbeiterkammer.

"Wenn die Wirtschaft längere Öffnungszeiten fordert, dann ist es auch an der Zeit, sich die Arbeitsbedingungen im Handel einmal genauer anzusehen", so die AK. Außerdem ginge es vielen in dieser Branche nicht so schlecht, wie eine aktuelle AK Analyse, die über 80 Betriebe untersucht hat, untermauert: Trotz trister Wirtschaftslage im Vorjahr konnten vor allem die "Großen" ihre Umsätze steigern, wie zum Beispiel die Lebensmittelkette "Billa" um vier Prozent.

Einzelhandelsangestellte vor allem Frauen

Die AK Expertinnen befürchten, dass eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten für viele der über 200.000 Einzelhandelsangestellten - vor allem Frauen - weitere Verschlechterungen bringen könnte. Der Großteil der dort Arbeitenden sind Frauen - in den wichtigsten Einzelhandelsbranchen sind es rund 70 Prozent -, die größtenteils teilzeitbeschäftigt sind. Die Erfahrungen zeigen, dass viele der Beschäftigten bestimmte arbeitsrechtlich vorgesehene Ruhezeiten nur schwer durchsetzen können. Darüber hinaus müssen sie sich mit schweren Gehaltsnachteilen abfinden. Durch die hohe Zahl Teilzeitbeschäftigter und die Tatsache, dass bei Mehrarbeit keine Überstundenzuschläge anfallen, profitieren die Unternehmer zweifach: Sie sparen bei den Löhnen und Gehältern und verfügen gleichzeitig über eine große Zahl an flexiblen Arbeitskräften, kritisieren die AK Expertinnen.

Gespaltene Umsatzentwicklung

Der Handel ist mehr noch als andere Branchen von einer gespaltenen Umsatzentwicklung gekennzeichnet. Während es den "Großen" gut geht, kommen die "Kleinen" in wirtschaftliche Bedrängnis. Eine aktuelle AK Analyse von 84 - vor allem großen - Handelsbetrieben zeigt: Die Gewinne dieser untersuchten Betriebe haben sich 2001 verbessert. So stieg der Jahresüberschuss gemessen an den Umsätzen von 2,1 auf 2,6 Prozent, was vor allem auf die höheren Gewinne im operativen Geschäftsbereich zurückzuführen ist. Ihre Gewinne steigerten zum Beispiel H&M, Hartlauer und Spar. (red)

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    Der Einzelhandel liegt in Österreich fest in Frauenhand
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