Hungerstreik bei Radio dva

6. Februar 2003, 16:05
2 Postings

Vorerst mit einer Woche befristet - Appell an Bundesregierung eine rasche Lösung für Weiterbestand zu finden - Radio Agora beteiligt sich nicht

Die Mitarbeiter des Senders der slowenischen Volksgruppe in Kärnten, Radio dva, sind am Montag in einen für eine Woche befristeten Hungerstreik getreten. Sie wollen damit gegen die Einstellung der Kooperation mit dem ORF protestieren und fordern die Bundesregierung auf, so schnell wie möglich eine Lösung zu finden. "Sollte dies nicht der Fall sein, wird es ab Mitte März einen unbefristeten Hungerstreik geben", sagte Geschäftsführer Marjan Pipp am Montag in Klagenfurt vor in- und ausländischen Journalisten.

"Nicht finanzieller, sondern politischer Natur"

Für Pipp sind die Hintergründe der Einstellung der Kooperation "nicht finanzieller, sondern politischer Natur". Daher habe man sich entschlossen, einen "starken Akzent" setzen, um die Öffentlichkeit über die Staatsgrenzen hinaus informieren. In der nächsten Woche werde man auch beim Europarat und beim Europäischen Parlament in Straßburg vorstellig werden. Von dort erhoffe man sich Unterstützungin Form eines Drucks auf die österreichische Regierung.

"Dringende Notwendigkeit" für die Volksgruppe

Für Redakteurin Marica Stern-Kusej ist ein eigenes Radio eine "dringende Notwendigkeit" für die Volksgruppe als "Teil des normalen Lebens". "Wir arbeiten seit Jahresbeginn ehrenamtlich weiter und haben die letzte Hoffnung, dass Radio dva doch nicht stirbt, noch nicht aufgegeben", sagte sie. Stern-Kusej verwies auf 8.600 Unterschriften für den Weiterbestand des Senders. Doch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), welchem die Unterschriften überreicht werden sollen, habe bisher auf die Bitte nach einem Gesprächstermin nicht reagiert. "Wir sind überzeugt, dass wir auf dem Rechtsweg zu unserem Recht kommen werden", erklärte sie. "Damit unsere Arbeit zwar gratis, aber nicht umsonst ist, sind wir in den befristeten Hungerstreik getreten.

Handeln müsse die Bundesregierung

Redakteur Bojan Wakounig verwies darauf, dass mit Einführung der Kooperation mit dem ORF vor eineinhalb Jahren Radio dva einen "Quantensprung" gemacht habe. Es gehe um die Weiterführung des ganztägigen Programms, denn jene 50 Minuten täglich, welche der Volksgruppe vom ORF-Kärnten angeboten werden, seien zu wenig. "Unsere Bemühungen richten sich gegen niemanden, sondern für das Volksgruppenradio", betonte Wakounig. Handeln müsse nicht der ORF, sondern die Bundesregierung. Der ORF habe auf Druck gehandelt, denn Schüssel habe erklärt, wenn das Paket in der Volksgruppenfrage nicht angenommen werde, werde es auch kein Radio mehr geben. (APA)

Share if you care.