Blix fordert "aktionsfähige" Beweise von den USA

3. Februar 2003, 10:41
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Chefinspektor verlangt zusätzliche Informationen

Berlin - Die UNO-Waffeninspektoren erwarten nach Darstellung ihres Chefs, Hans Blix, klare Hinweise von den von den USA angekündigten Beweisen für irakische Massenvernichtungswaffen. "Was wir brauchen, sind 'aktionsfähige' Beweise, also Hinweise, die uns direkt zu bestimmten Örtlichkeiten führen", sagte Blix in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Montag. US-Außenminister Colin Powell hat angekündigt, dem UNO-Sicherheitsrat am Mittwoch Beweise für Massenvernichtungswaffen vorzulegen. Für ihre Kontrollen im Irak brauchen die Inspektoren Blix zufolge mehr Zeit.

Irak muß beweisen keine Massenvernichtungswaffen zu besitzen

Die Inspektoren hätten nie behauptet, Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak zu besitzen. "Das tun andere wie Großbritannien und die Vereinigten Staaten; sie mögen über zusätzliche Informationen verfügen." Deshalb sei es wünschenswert, dass diese Beweise vorgelegt würden. "Unser Standpunkt ist: Nicht wir müssen beweisen, dass der Irak nicht über Massenvernichtungswaffen verfügt, die irakische Regierung muss den Beweis erbringen."

Wenn der Irak mit den Inspektoren zusammenarbeite, dann seien schnelle Fortschritte möglich und die Inspektoren könnten "relativ rasch zum Ende kommen, innerhalb einiger Monate", sagte Blix. Auf die Frage, ob bei der bisherigen Kooperationsbereitschaft des Irak einige Wochen zu wenig seien, sagte Blix: "So ist es. Andererseits wären zwei Monate, um die Inspektionen zu einem erfolgreichen Ende zu führen, generell nur sehr wenig Zeit."

Wenn Irak nicht kooperiert ist keine friedliche Lösung in Sicht

Die USA und Großbritannien haben dem Irak mit Krieg gedroht, sollte das Land nicht die UNO-Forderungen zur Abrüstung erfüllen. Sie behalten sich einen Angriff auch ohne UNO-Mandat vor. Die USA haben sich aber nach Blix' Einschätzung noch nicht für einen Angriff auf den Irak entschieden. "Ich glaube, dass die Entscheidung für einen Waffengang noch nicht gefallen ist, und dass Washington eine friedliche Lösung vorzöge", sagte Blix. Falls jedoch der Irak nicht einlenke bei den Forderungen nach mehr Kooperation bei den Waffenkontrollen, "dann habe ich keine Hoffnung mehr auf Abrüstung mit Hilfe eines friedlichen Inspektionsprozesses". (APA/Reuters)

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