Britische Polizei testet umstrittene Stromstoß-Waffe

3. Februar 2003, 10:47
9 Postings

ai fordert medizinische Studie - Todesfälle nicht ausgeschlossen

TASER International wird fünf Einheiten der britischen Polizei für ein halbes Jahr mit der umstrittenen "Advanced Taser"-Waffe ausstatten. Nach Ende der Testperiode soll über den Kauf größerer Taser-Kontingente verhandelt werden. Die Taser sollen Zielpersonen kurzfristig außer Gefecht setzen ohne sie zu töten. Dafür werden zwei Projektile abgefeuert, die jeweils mit einem gut sechs Meter langen Kabel mit dem Advanced Taser verbunden sind. Treffen beide Projektile die Zielperson, werden durch die isolierten Kabel Stromstöße in die Person geleitet, die sich daraufhin von unkontrollierbaren Krämpfen gequält auf dem Boden windet.

Altes Prinzip

Neu ist das Funktionsprinzip keineswegs. Es wurde bereits 1976 von einem gewissen Jack Cover erfunden. Dieser war ein Fan der Romanfigur Tom Swift und nannte daher sein Produkt "Thomas A. Swift Electronic Rifle" oder kurz TASER. Die "Advanced Taser" unterscheiden sich aber deutlich von früheren Produkten. Es wird nun nicht mehr mit etwa sieben Watt in den Kommunikationsprozess zwischen Hirn und Muskulatur eingegriffen. Durch Elektro-Muskulare Disruption (EMD) mit intensiveren Stromschläge (bis zu 26 Watt bei etwa 50.000 Volt) werden die Muskeln direkt zu unwillkürlichen Kontraktionen gezwungen und angeblich auch besonders trainierte Personen sowie Epilepsiekranke ausgeschaltet.

Datenerfassung

Außerdem wurde neben einem Laserstrahl zur einfacheren Zielerfassung auch ein Speicher eingebaut, der Datum und Zeit jedes Abschusses speichert. Diese Daten können auf Windows-9x-Computer heruntergeladen werden. Bei jeder Abfeuerung werden darüber hinaus bis zu 40 Konfetti freigesetzt, die mit der Seriennummer der Munition bedruckt sind. So soll eine spätere Identifikation des Schützen ermöglicht werden. Offen bleibt, ob damit die von Amnesty International (ai) angeprangerten Misshandlungen von Gefangenen oder unbeliebten Polizeikameraden verhindert werden können. Eine ai-Kampagne, die vor dem verbreiteten Einsatz medizinische Studien verlangt, ist bei der britischen Regierung jedenfalls auf taube Ohren gestoßen.

Ungeklärter Todesfall

Trotz Deklaration des Advanced Taser als "nicht tödlich für normale, gesunde Erwachsene" durch die US Consumer Protection Safety Commission wagt selbst der Hersteller Todesfälle nicht auszuschließen und nennt die Waffen "less-lethal". Wer Pech hat, stirbt vielleicht bloß langsamer. (pte)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.