Strom-Ehe: EU fürchtet marktbeherschende Stellung

4. Februar 2003, 19:04
6 Postings

Könnten Preise erhöhen - Andere Verteiler nicht völlig unabhängig

Brüssel - Die EU-Kommission hat "Bedenken", dass der Zusammenschluss der Verbund mit der EnergieAllianz "beherrschende Stellungen in mehreren Strommärkten Österreichs begründen könnte", wie es in einer Mitteilung der EU-Kommission von Dienstag Abend heißt. Durch die Zusammenführung des größten Stromerzeugers in Österreich mit fünf seiner regionalen Verteilungsunternehmen würde das Vorhaben "zu hohen gemeinsamen Marktanteilen bei der Erzeugung und der Lieferung von Strom sowohl an gewerbliche Abnehmer wie an private Verbraucher führen".

Abhängigkeiten

Neben der neuen Einheit würden in Österreich dann noch fünf andere regionale Stromvertriebsunternehmen übrig bleiben. "Auch hat die erste Untersuchung der Kommission gezeigt, dass drei dieser Unternehmen nicht unabhängig im Markt vorgehen könnten", so die Mitteilung. Die regionalen Stromverteiler in Kärnten, Salzburg und der Steiermark würden in hohem Maße von der neuen Einheit für ihre Stromlieferungen abhängen. Außerdem hätten Verbund und ein Mitglied von EnergieAllianz Anteile an diesen regionalen Stromanbietern, womit sie einigen Einfluss auf sie ausüben könnten.

Unter diesem Voraussetzungen befürchtet die Kommission, dass die neue Einheit eine derartige Marktmacht erhalten würde, dass sie in der Lage wäre, die Strompreise für die österreichischen Unternehmen und Haushalte zu erhöhen. Sie hat deshalb beschlossen, eine eingehende Untersuchung einzuleiten, um die Auswirkungen des Vorhabens im Markt weiter zu untersuchen.

Verbund deckt die Hälfte des landesweiten Stromverbrauchs

Die Verbund sei der größte Stromerzeuger in Österreich, der rund die Hälfte des landesweiten Stromverbrauches deckt, erinnert die Kommission. Außerdem sei das Unternehmen in der Übertragung, Verteilung, Lieferung und dem Handel mit Strom tätig und betreibe ein Verbundnetz in sieben der neun Bundesländer.

In der EnergieAllianz, einem von den österreichischen Stromanbietern EVN AG, Wien Energie GmbH, Energie AG Oberösterreich, Burgenländische Elektrizitätswirtschafts-Aktiengesellschaft und Linz AG für Energie, Telekommunikation, Verkehr und Kommunale Dienste gegründetes Gemeinschaftsunternehmen, seien alle Muttergesellschaften ebenfalls Stromerzeuger. EnergieAllianz und Verbund wollten ihre Tätigkeiten beim Handel und der Lieferung von Strom an große gewerbliche Kunden mit einem Jahresverbrauch von mehr als 4 GWh zusammenlegen, erinnert die EU-Kommission. Damit würde aber der gesamte von Verbund und EnergieAllianz erzeugte Strom über die beiden neugegründeten Gemeinschaftsunternehmen geliefert werden, schreibt die EU-Kommission.

Die am Dienstag offiziell angekündigte vertiefte Prüfung, für die Brüssel vier Monate Zeit hat, präjudiziere nicht den endgültigen Ausgang des Verfahrens, hält die Kommission noch fest. (APA)

Share if you care.