Opernball-Demo: Größere Mobilisierung als zuletzt

3. Februar 2003, 08:10
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Offenbar zusätzliche Dynamik durch Irak-Krise - Linke Szene massiv gespalten: Bereits drei Aufrufe für Kundgebung

Wien - Noch sind es knapp vier Wochen bis zum Opernball - und damit auch bis zur obligaten Opernball-Demo. Die Exekutive wollte bisher keine Prognose über das mögliche Ausmaß des Protestes 2003 abgeben. Kenner der Szene registrierten aber bereits Mobilisierungsaufrufe im Internet, die auf eine wesentlich größere - und brisantere - Kundgebung als zuletzt hindeuten. Dynamik dürfte zusätzlich durch die Irak-Krise und den möglichen Krieg entstehen.

Dabei - darauf weisen die Experten hin - präsentiert sich die linksextreme Szene gespaltener denn je. Ein Beleg dafür: Im Internet kursieren derzeit schon drei Aufrufe, die für die Demo zur selben Zeit am selben Ort mobilisieren - am 27. Februar um 19.00 Uhr mit dem Treffpunkt vor dem Museumsquartier. Der Hintergrund der Spaltung: Manche Gruppierungen mit antiimperialistischer Stoßrichtung werfen ihren Gegnern vor, diese würden versuchen, Kritik an Israel als prinzipiell antisemitisch zu unterdrücken. Dem gegenüber betonen jene, dass Teile der Antiimperialisten dem Staat Israel das Existenzrecht absprechen und somit antisemitisch agieren.

Vor diesem Hintergrund sind die verschiedenen Aufrufe zu sehen: Das Bündnis "Opernball angreifen" mobilisiert unter dem Motto "Imperialistische Kriegstreiber stoppen! Kapitalismus zerschlagen!" zu dem Protest. Dabei wird bereits auf den drohenden Irak-Krieg Bezug genommen: "Kein ruhiges Hinterland für Ausbeuter und Kriegsstrategen! Stoppt das Embargo und die Aggression gegen den Irak! Für die Kämpfe um Befreiung weltweit!", heißt es.

Eine eigene Ankündigung hat ein "Bündnis einiger Einzelpersonen für eine kämpferische autonome Opernballdemo" ins Internet gestellt. Die Eigendefinition lautet: "Wir zählen uns zu dem was das Innenministerium als 'Autonom-/anarchistische Linke' zusammenfasst ..." Von dem anderen Aufruf distanziert man sich strikt: "Das Bündnis 'Opernball Angreifen' ist in Wirklichkeit nicht viel mehr als eine Vorfeldorganisation der stalinistischen Komak-ML und der 'Revolutionären Kommunistischen Liga'. Diese Organisationen sind in den vergangenen Monaten immer wieder durch die Linie zum Antisemitismus überschreitende Aussagen, hauptsächlich zum Konflikt im Nahen Osten, aufgefallen." Zusätzlich mobilisiert noch die "Anarchistische Jugend außer Kontrolle" (AJaK) für die Opernball-Demo.

Welche konkreten Auswirkungen die Konflikte innerhalb der linksextremen Szene auf die Opernball-Demo hat, ist auch für Insider ein Monat vorher nicht absehbar. Allerdings gehen Experten davon aus, dass ein allfälliger Kriegsausbruch im Irak eine Eskalation bei der Opernball-Demo zur Folge haben könnte.(APA)

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