Simbabwe: Zugunglück mit mindestens 46 Toten

2. Februar 2003, 21:02
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Waggons brennen seit Samstag früh - Weitere Opfer vermutet

Harare - Bei einem der schwersten Zugunglücke in der Geschichte Simbabwes sind am Wochenende mindestens 46 Menschen ums Leben gekommen und 64 verletzt worden. Das südafrikanische Fernsehen zeigte Sonntag Abend Bilder von noch immer brennenden Waggons, in denen weitere Opfer vermutet werden. Im Laufe des Tages waren vier weitere Opfer geborgen worden. Der Zustand zahlreicher Verletzter galt als kritisch. Unter den Insassen des Zuges waren nach simbabwischen Angaben auch Touristen, die jedoch unverletzt blieben. Den Rettern bot sich vor Ort ein Bild des Grauens. Viele der Opfer waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, andere grausam verstümmelt.

Kollision bei voller Fahrt

Das Unglück hatte sich Samstag Früh im Westen des Landes nahe dem Ort Dete ereignet, als ein Passagierzug mit 1.100 Passagieren auf der Strecke zwischen Bulawayo und Victoria Falls in voller Fahrt mit einem entgegenkommenden Güterzug kollidierte. Als Ursache wird ein falsch gestelltes Signal vermutet. Ein Signalwärter wurde festgenommen, die Behörden ordneten einen Alkoholtest an. Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass die ersten fünf Waggons des Personenzuges über den mit Benzin beladenen Güterzug geschleudert wurden. Nach Angaben der simbabwischen Medien hatte sich danach Benzin entzündet, das in den Passagierabteilen mitgeführt wurde.

Schlechter technischer Zustand

Die Bahnroute in den Grenzort Victoria Falls - wo sich auch die berühmten gleichnamigen Wasserfälle befinden - wird regelmäßig von Schmugglern genutzt, die das in Simbabwe billigere Benzin im Nachbarland Sambia zum zehnfachen Preis verkaufen. In Simbabwe, wo durch politische Turbulenzen Versorgungsengpässe bestehen, sind die Preise für Benzin und andere wichtige Güter staatlich festgesetzt. Wegen der Wirtschaftskrise im Lande werden zur Zeit auch die Bahnzüge stärker als früher genutzt. Deren technischer Zustand hat sich nach Einschätzung von Beobachtern in den vergangenen drei Jahren allerdings wegen der desolaten wirtschaftlichen Lage rapide verschlechtert.

Die Verletzten wurden nach Bulawayo und in den nahe gelegenen Ort Hwange gebracht. Dort hatte sich im Oktober vergangenen Jahres bereits ein Zugsunglück ereignet, bei dem 22 Menschen verletzt worden waren. Ursache war damals ein Elefant, der auf den Gleisen gestanden und den Zug bei der Kollision zum Entgleisen gebracht hatte. (APA/dpa)

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