Kampf und Porno

2. Februar 2003, 20:43
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Man wünscht die Zeiten herbei, als eine Sexaffäre im Weißen Haus die größte Sorge Amerikas zu sein schien. Zur abbröckelnden Wirtschaft nun auch noch eine zerschellte Raumfähre: Sie fügt sich mit ihren Details über verstreute Leichenteile nahtlos in die Trauer-, Wut- und Kampfsprache der letzten Wochen. George W. Bush konnte beim Verkünden "der schrecklichen Nachricht" seine Irak-Miene beibehalten.

Nun gilt es, die Moral der US-Truppen rasch wieder zu stärken. Darum bemüht sich unter anderem Firmenpräsident Aaron Gordon. Er ließ mit folgendem öffentlichem Aufruf aufhorchen: "Diese jungen Männer sind dort draußen, um für unsere Freiheit zu kämpfen. Wir möchten unseren Teil beitragen, indem wir ihnen kostenlos Qualitätspornos geben." Kein Scherz: US-Soldaten können ab sofort aus einem mit 500 Pornovideos bestückten Online-katalog wählen. Das Gratisangebot soll so lange gelten, wie sich die Militärs "in feindlichen Ländern" aufhalten.

Das Mindestalter der Konsumenten darf allerdings, je nach Bundesstaat, 18 oder 21 Jahre nicht unterschreiten. Die Jugend, die für das Vaterland kämpft und dessen Feinde tötet, darf währenddessen sittlich nicht verdorben werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 3.2.2003)

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