Haupt mit Ablaufdatum

2. Februar 2003, 19:43
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Während der FPÖ-Chef Stabilität garantiert fällt ihm die Partei auseinander - ein Kommentar von Michael Völker

Parteichef Herbert Haupt garantiert treuherzig die Stabilität und Verlässlichkeit der FPÖ, derweil fällt ihm die Partei auseinander. Die Funktionäre machen, was sie wollen, die Landesorganisationen tanzen dem schwachen Parteichef auf der Nase herum. Die jüngsten Ereignisse etwa in Salzburg, Niederösterreich oder in der Steiermark zeigen deutlich, dass Haupt keinerlei Durchgriff auf die Landesparteien hat.

In der Steiermark hatte Haupt nach der Wahlschlappe in Graz weit reichende Konsequenzen gefordert, Landeschef Leopold Schöggl ließ ihm daraufhin sinngemäß ausrichten, er möge sich um seinen eigenen Schmarrn kümmern. In Niederösterreich opponiert wenige Wochen vor der Landtagswahl ein Teil der Basis gegen die Parteiführung, und in Salzburg ist am Wochenende ein jahrelang schwelender Konflikt wieder aufgebrochen, der die Landespartei vor eine Zerreißprobe stellt. Haupt muss tatenlos zuschauen, Einfluss hat er auch hier keinen. Die Kärntner machen so oder so, was sie wollen.

Das Eigenleben der Landesorganisationen hatte auch schon Parteichefin Susanne Riess-Passer zu schaffen gemacht. Letztendlich saßen in Knittelfeld fünf Landesparteiobmänner über sie zu Gericht - und stürzten sie. Auch der neue Parteichef Haupt hat noch kein Rezept gefunden, seinen theoretischen Einfluss auf die Länder umzusetzen. Und dort wird die Musik gemacht, die Länder sind die Basis der FPÖ.

Die Bundespartei ist ohne die Teilorganisationen ein lebloser Torso. Macht und Mandate werden in den Ländern verteilt. Findet Haupt keinen Weg, von den Landesparteien ernst genommen zu werden, hat er die FPÖ nicht hinter sich. Es droht ihm das Schicksal der Noch-Vizekanzlerin - er ist ein Parteichef mit Ablaufdatum. Das ist auch der ÖVP bewusst. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 3.2.2003)

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