"Rückholung der Anständigen"

2. Februar 2003, 23:06
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Kärntner Gemeinderatswahlen werden zur Zitterpartie für die FPÖ

Klagenfurt - Feldkirchen ist als einzige tiefblaue Bezirksstadt sozusagen das Herzstück der freiheitlichen Bastion Kärnten. Ob auch sie bei den Kärntner Gemeinderatswahlen am 9. März fallen wird oder doch von den krisengeschüttelten Freiheitlichen gehalten werden kann, hat daher höchsten Symbolwert. Auch in Bezug auf die verbliebene Strahlkraft Jörg Haiders in seinem Stammland Kärnten.

Ganz bewusst hat daher die Kärntner SPÖ ihren Wahlkampfstart vergangenen Samstag nach Feldkirchen verlegt. Dort rief SP-Chef Peter Ambrozy zur "Rückholaktion" der "Fleißigen und Anständigen" auf, die der SPÖ in Scharen davon und in die Arme Haiders gelaufen waren.

Probleme dürfte die SPÖ, die in den Kommunen mit 40,5 Prozent landesweit unangefochten an der Spitze liegt, diesmal keine haben. Sie verfügt mit Ausnahme von Feldkirchen und Klagenfurt in den übrigen Bezirksstädten über teilweise satte absolute Mehrheiten. Insgesamt hat die SPÖ 72 von insgesamt 132 Bürgermeistern, und Ambrozy rechnet erstmals wieder mit einem Ausbau dieser Vormachtstellung.

Die Kärntner ÖVP wiederum will von der FPÖ Platz zwei zurückerobern. Mit dem Rückenwind der fulminant gewonnenen Nationalratswahl scheint dieses Ziel für VP-Chef Georg Wurmitzer "sehr realistisch". 1997 lag die ÖVP mit 22,3 Prozent nur knapp hinter den Freiheitlichen, die in den Gemeinden 26,1 Prozent erreichten. Unangefochten dürfte der bisherige Klagenfurter VP-Bürgermeister Harald Scheucher bleiben. In Villach will die ÖVP mithilfe von Faschingsstar Tanja Karl die Absolute von SP-Bürgermeister Helmut Manzenreiter brechen.

Als Abstimmung über Jörg Haider seien die Gemeindratswahlen nicht zu sehen, meint Wurmitzer: "Sein Prüfstein sind die Landtagswahlen 2004."

Für die Kärntner FPÖ wird der Urnengang dagegen zur Zitterpartie. Auch wenn man das angesichts der Grazer Wahl nicht offen eingestehen will. Platz zwei halten lautet das vorsichtige Wahlziel. "Gemeinderatswahlen sind Persönlichkeitswahlen. Wir gehen aber auch mit der positiven Regierungsarbeit von Jörg Haider und seinem Team ins Rennen", zeigt sich FP-Obmann Martin Strutz ganz zuversichtlich. Vor der Arbeiterkammer in Feldkirchen prangt bereits ein riesiges FPÖ-Wahlplakat: Jörg Haider vor strahlend blauem Himmel. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 3.2.2003)

von Elisabeth Steiner
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