Schluss mit großem Jubel

3. Februar 2003, 10:32
posten

Letzte Schumann-Brahms-Lieferung der Berliner unter Barenboim

Wien - Zwei mal vier muss nicht immer acht sein. Vor allem nicht dann, wenn von Schumann- und Brahms-Symphonien die Rede ist und der Schumannsche Vierer in Wahrheit ein Zweier ist. In einem solchen Fall kann ein solches von der Berliner Staatskapelle unter Daniel Barenboim im Musikverein vorgeführtes orchestermathematisches Rechenexempel schon mit einem anderen Ergebnis enden: nämlich mit einhelligem Jubel.

Und dies in begründeter fre- netischer Herzlichkeit schon nach der Vierten von Robert Schumann. Wobei das Hauptverdienst an diesem Erfolg - Pardon! - auf das Konto des Komponisten geht.

Dieser immer wieder von Neuem bestaunenswerte sym- phonische Koloss mit seinen ohne Zwischenstopp ineinander übergehenden vier Sätzen ist nur numerisch die Nummer vier. In Wahrheit handelt es sich um Schumanns Zweite, in der besten Schaffensphase des Komponisten entstanden.

Die gut hörbaren thematischen Klammern, mit denen Schumann dieses Werk zusammenhält, und eine nachträgliche Retusche der Instru- mentierung kommen dem interpretatorischen Ordnungswillen ebenso entgegen, wie sie auch immer wieder Bühnenräume für das von Barenboim virtuos beherrschte Klangtheater bieten.

Keine Frage, dass die vierte Symphonie von Johannes Brahms für die Berliner unter Barenboims von bewundernswertem Kalkül für Werk und Wirkung gelenkter Regie die optimale Kulisse bot. Da wurde kein Stichwort verpasst. Da wurde jeder sich bietende rhetorische Effekt, den die süffige Melodik und die schlüssige Dynamik geradezu ohne Unterlass bieten, genüsslich ausgekostet.

Für den folgenden Jubel, in den das Publikum dann ausbrach, brauchte Barenboim allerdings keinen Einsatz mehr zu geben. Beim Verneigungszeremoniell der einzelnen Orchestergruppen hätte er seine Hornisten ruhig sitzen lassen können. (vuji/DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2003)

Share if you care.