Projektbezogenheit anstelle der jährlichen Rate

2. Februar 2003, 22:05
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Die österreichische Wirtschaftskammer, sagt deren Präsident Christoph Leitl, wird den Skisport weiter fördern, ihm aber keine automatischen Schecks mehr ausstellen.

St. Moritz - Wesentliche Dinge treten erst dann in das Stadium der Wirklichkeit, wenn sie offiziell eröffnet werden. Gian Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS), tat dies am Samstag bei Eiseskälte auf der Polowiese zu St. Moritz mit der 37. Ski-WM. Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ, da es im WWW mit den Ö-Punkterln nicht so hinhaut: wko.at) verfuhr wenig später gleichermaßen mit dem gut geheizten "House Austria". Es handelt sich um das 25. der Geschichte, die Premiere fand 1960 bei den Olympischen Spielen in Squaw Valley statt.

Die Kammer lässt sich das Haus 400.000 Euro kosten, 620.000 werden von mehr als 40 Sponsoren in Form von Waren (Wein, Wasser, Wurst und so weiter) beigesteuert. Das Haus dient schon auch als "Basislager" (Leitl) für in welcher Form auch immer an der WM beteiligte Österreicher, aber auch als Auslage. Die Schweiz ist pro-Kopf-mäßig betrachtet Österreichs größter Kunde (Waren um vier Milliarden Euro kauften die Schweizer den Österreichern ab, um 2,5 Milliarden kauften die Österreicher bei den Schweizern).

Österreich-Häuser, so Leitl, werde es weiter geben. Aus jenem in St. Moritz Bad, das auf dem Gelände des Hotels Kempinski steht, wird nach der WM ein Wiener Kaffeehaus. Was die Kammer allerdings nach 30 Jahren kündigte, ist die Mitgliedschaft im Austria Ski Pool. Der Beschluss wurde im Vorjahr gefasst, wirksam wird er am 30. April 2004. 550.000 Euro pro Jahr zahlt die Kammer gegenwärtig für die Mitgliedschaft. Die Argumentation entbehrt nicht der Logik: Die Erfolge der österreichischen Nationalmannschaft helfen nicht nur der österreichischen Industrie. Der Pool ist längst international (z. B. Rossignol, Salomon). Leitl: "Das ist keine Rückzugsstrategie. Es werden nur die automatischen Schecks hinterfragt." Es wird hingehen zu einer projektorientierten Förderung. Leitl spricht schon auch von Randsportarten, die man damit ins Bild bringen könnte, aber vor allem von den Zielmarken: Fußball-EM 2008 in Österreich und der Schweiz; die Olympischen Winterspiele 2010, für die sich Salzburg beworben hat und über deren Vergabe im heurigen Sommer entschieden wird. (DER STANDARD; Printausgabe, 03.02.2003, bez)

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    Das "Österreicher Haus" der Wirtschaftskammer in St. Moritz

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