Stiefkind Anleihe-Investor

2. Februar 2003, 19:19
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Dennoch boomen Unternehmensanleihen

Wien - Der Markt für Unternehmensanleihen ist groß in Schwung. Firmen holen sich durch solche Schuldverschreibungen Geld von Investoren und zahlen ihnen dafür Zinsen, die über den Renditen der Staatsanleihen liegen.

Je schlechter die Bonität des Unternehmens, desto höher sind die zu leistenden Zinsenzahlungen. Auch die Wiener Börse meldet einen "Boom" bei den so genannten Corporate Bonds: 16 Listungen mit über eineinhalb Mrd. Euro Volumen im abgelaufenen Jahr. Insgesamt ist der heimische Anleihenmarkt rund sechsmal so groß wie die Börsenkapitalisierung von etwa 30 Mrd. Euro. Der größte Emittent ist allerdings der Staat.

Investoren zweiter Klasse

Rechtlich betrachtet sind Inhaber solcher Schuldverschreibungen allerdings Investoren zweiter Klasse. Mitbestimmung im Unternehmen wir ihnen nicht eingeräumt. Einer Studie des internationalen Finanzdienstleisters Citigate Dewe Rogerson zufolge trifft das auch auf die Kommunikationspolitik der emittierenden Firmen zu: Um die Aktionäre bemühen sich die Unternehmen zunehmend, versuchen, auch durch Auflagen wie Ehrenkodizes, kleine und große Anleger gleichermaßen und halbwegs gleichzeitig zu informieren. Für die stark anwachsende Zahl der Anleiheinhaber gibt es nach der Verkaufsshow aber praktisch nichts.

Kein vorausschauendes Verhalten der Firmen, kritisiert Citigate, gerade in einem Marktumfeld, in dem Aufnahme von Fremdkapital und Börsengänge sehr schwierig geworden sind. Dass langsam Veränderung in diesen Missstand kommt, hat Citigate ebenfalls in der Studie herausgefunden: Nach Skandalen wie Enron und WorldCom beginnen US-Firmen nun vermehrt Gläubigerkommunikationsstellen aufzubauen. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 03.02.2003)

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