Boeing: Columbia-Absturz schafft neue Probleme

3. Februar 2003, 10:26
posten

Boeing ist größter Anbieter für US-Raumfahrtbehörde NASA

Chicago - Der Absturz der Raumfähre "Columbia" dürfte den US-Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing nach Einschätzung von Experten vor neue Probleme stellen. Das Unternehmen, das derzeit vor allem mit dem Auftragsschwund aus der zivilen Luftfahrt zu kämpfen hat, ist größter Anbieter für die US-Raumfahrtbehörde NASA.

Nach Einschätzung von John Rogers, Raumfahrtanalyst für die Investmentfirma D.A. Davidson & Co. in Portland, werden alle Anbieter in der Raumfahrtbranche die Auswirkungen der Explosion zu spüren bekommen. "Es gibt noch viele Unklarheiten, aber mir scheint es, dass es nicht viele Investitionen in Raumfahrtprogramme geben wird, so lange wir nicht herausgefunden haben, was passiert ist. Jeder, der an der Belieferung von Raumfahrtprogrammen beteiligt ist, wird betroffen sein", sagte Rogers.

Für Wartung des Raumgleiters verantwortlich

Seit der Übernahme der Raumfahrtsparte von Rockwell International im Jahr 1996 baut Boeing Raumfähren und ist zugleich über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem größten US-Rüstungskonzern Lockheed Martin für die Wartung des Raumgleiters verantwortlich. Boeing baut, testet und wartet außerdem die wichtigsten Raketenantriebe.

Sollte die jetzige Boeing-Raumfahrtflotte jedoch zu Gunsten modernerer Modelle ausgemustert werden, könnten Boeing und Lockheed nach Ansicht einiger Branchenkenner letztlich davon sogar profitieren. Dies gelte auch, wenn die Firmen kurzfristig Einbußen für Wartungs- und Modernisierungsarbeiten hinnehmen müssten. Wenn allerdings der Auftrag dann an kleinere Anbieter mit Spitzentechnologie gehe, könnten Boeing und Lockheed vom Markt gedrängt werden.

Vorsicht bei Prognosen

In jedem Fall sei zunächst größte Vorsicht im Hinblick auf die Prognosen angesagt, solange die Ermittlungen über die Absturzursache andauerten. "Man kann über viele Auswirkungen spekulieren", sagte Marco Caceres, Analyst bei der Raumfahrt- und Rüstungsberaterfirma Teal Group bei Washington.

"Ich glaube, dass die größten Folgen die Raumstation betreffen werden", sagte Caceres und verwies auf die Internationale Forschungsstation ISS, die 1984 durch den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan ins Leben gerufen wurde. Die Raumstation, die so groß ist wie mehrere Fußballfelder, wird derzeit mit Hilfe von insgesamt 17 Nationen im All zusammengebaut. Die einzelnen Raumfahrtmissionen liefern Material und Versorgung. Boeing, größter Zulieferer der Raumstation, war in der Vergangenheit mehrfach wegen überhöhter Kosten in die Kritik geraten. Jede Verzögerung bei Missionen und damit bei der Versorgung der Station, bedeute letztlich noch höhere Kosten, sagte Cacares. Dies könne zudem dazu führen, dass die USA stärker auf die Bestückung der Station durch russische Raumfahrtmissionen angewiesen seien.

Kräftiger Gewinneinbruch

Boeing, weltweit größter kommerzieller Flugzeughersteller und zweitgrößter Rüstungsanbieter der USA, hat seit den Anschlägen vom 11. September 2001 rund 30.000 Arbeiter abgebaut. Aufträge von Regierung, Fluggesellschaften und anderen Kunden sorgen bei dem Konzern für einen jährlichen Umsatz von mehr als 50 Milliarden Dollar - allerdings mit abnehmender Tendenz.

Am Donnerstag hatte Boeing einen kräftigen Gewinneinbruch für das Jahr 2002 bekannt gegeben. Der Umsatz fiel auf 54,1 Mrd. von 58,2 Mrd. Dollar im Vorjahr. Der Betriebsgewinn der Sparte Raumfahrt und Kommunikation, zu der das Shuttle-Bau-Geschäft gehört, fiel auf 357 Mio. Dollar von 619 Mio. Dollar im Vorjahr.(APA/Reuters)

Link

Boeing

Share if you care.