Griechische Polizei geht gegen Untergrundorganisation ELA vor

2. Februar 2003, 10:06
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Zwei mutmaßliche "Volkskampf"-Mitglieder festgenommen

Athen - Die griechische Anti-Terror-Polizei hat in der Nacht zum Sonntag zwei mutmaßliche Mitglieder der Untergrundorganisation Revolutionärer Volkskampf (ELA) festgenommen. Der seit Tagen unter Überwachung stehende Bürgermeister von Kimolos auf den Kykladen sei in der Athener U-Bahn gefasst worden, war von den Ermittlern zu erfahren.

Dort hatte sich der verdächtige Angeletos Kanas vor der griechischen Regierung gegen die Vorwürfe verteidigen wollen. Auch der Abteilungsleiter in der griechischen Tourismusbehörde, Dimitris Kavadias, sei festgenommen worden. Bisher wurde keine Anklage erhoben. Die Polizei macht die ELA als älteste griechische Untergrundorganisation für elf Tote bei Anschlägen zwischen 1974 und 1995 verantwortlich.

Fingerabdrücke

Über die bevorstehende Festnahme von Kanas war bereits in den vergangenen Tagen in den griechischen Medien berichtet worden. Angeblich belasten ihn Zeugenaussagen und Fingerabdrücke auf früheren Bekennerschreiben. Auch die ostdeutsche Stasi habe den Verdächtigen unter einem Codenamen als Mitglied einer Terrorgruppe geführt. Kanas stritt die Vorwürfe im Fernsehen ab. Nach Angaben von Ermittlern standen am Sonntag möglicherweise weitere Festnahmen unmittelbar bevor.

Die ELA war nach dem Sturz der griechischen Militärdiktatur 1974 gegründet worden und verübte hunderte Anschläge vor allem auf US-Ziele wie Banken, Unternehmen und Autos in Griechenland. 1995 stellte die linksgerichtete Untergrundgruppe ihre Aktivitäten ein. Für zwei politische Morde übernahm sie die Verantwortung. Nach Ansicht von Ermittlern gründeten verbliebene Aktivisten die Revolutionären Zellen, die seit 1998 für eine Serie von Bombenanschlägen mit einem Toten verantwortlich gemacht werden. Erst im Juli hatte die Polizei mit mehreren Festnahmen die marxistische Untergrundorganisation 17. November zerschlagen, die von den USA als eine der gefährlichsten Terrorgruppen in Europa eingestuft wurde. (APA/AFP)

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